Tagung 17./18.2.2012 - War die “Vertreibung” Unrecht?

Veranstaltet von der Freie Universität Berlin, der Aktion Sühnezeichen e.V., der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft e.V., der Deutsch-Polnischen Akademischen Gesellschaft e.V., der Deutsch-Polnischen Gesellschaft der Bundesrepublik e.V. und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.

Termin: Freitag, den 17. und Samstag, den 18. Februar 2012

Ort: Seminarzentrum der Freien Universität Berlin, Otto-von-Simson-Str. 26, 14195 Berlin, Raum L 115

War die “Vertreibung” Unrecht? Die Umsiedlungsbeschlüsse des Potsdamer Abkommens und ihre Umsetzung in ihrem völkerrechtlichen und historischen Kontext

Programm:

Freitag, 17.2.

9.15     Eröffnung der Tagung, Grußworte

I. Juristische Sektion

10.15   Thilo Marauhn (Universität Giessen), Kriegsfolgen und intertemporales Völkerrecht

11.15   Kaffeepause

11.45   Herta Däubler-Gmelin (Freie Universität Berlin), Das Menschenrecht auf Heimat

12.45   Mittagspause

14.00   Jerzy Kranz (Szkola Glowna Handlowa/Akademia Leona Kozminskiego Warschau), Juristische und politische Aspekte des polnisch-deutschen Vertreibungsstreits

15.00   Jan Kuklik (Universita Karlova Prag), The Sudeten German Question in Czechoslovakia 1945-1973 from the legal point of view

16.00   Kaffeepause

II. Historische Sektion

16.30   Stefan Troebst (Universität Leipzig), Vom “Bevölkerungstransfer” zum Vertreibungsverbot - eine europäische Erfolgsgeschichte?

19.30   Abendveranstaltung: Irmela von der Lühe (Freie Universität Berlin), Die “kalte” Heimat. Flucht und Vertreibung in der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur.

Anschließend Empfang

Samstag, 18.2.

9.00     Heinrich Schwendemann (Universität Freiburg), Flucht und Vertreibung der ostdeutschen Bevölkerung 1944-1947

10.00   Bozena Gorczynska-Przybylowicz (Universität Poznan), Die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus Polen als Folge des Zweiten Weltkriegs

11.00   Kaffeepause

11.15   Oldrich Tuma (Akademia ved Ceske republiky Prag)

12.15   Mittagspause

13.15   Erich Später (Heinrich-Böll-Stiftung, Saarbrücken), Der Bund der Vertriebenen in der deutschen Nachkriegsgeschichte

14.15   Ingo Haar (Universität Wien), Die Geschichtspolitik der Vertriebenen als Herausforderung der europäischen Integration

15.15   Kaffeepause

15.30   Robert Zurek (Centrum badan historycznych Polskiej Akademii Nauk Berlin), “Vertreibung” oder “Aussiedlung”? Der deutsch-polnische Streit um die Begriffe, Erinnerung und den Sinn der Geschichtspolitik 1999-2009

16.30   Anja Mihr (Universität Utrecht), Die Unrechtsdebatte. Vertreibung im Kontext politischer Aufarbeitung und Transitional Justice

17.30   Schlusswort

Teilnahmebeitrag 15 EUR (ermäßigt 7 EUR), Anmeldung an konferenzbüro@polen-news.de, oder postalisch bzw. per Fax an: Karl Forster, Neue Grottkauer Str. 38, 12619 Berlin, Fax 030-56296097

1. bis 2. Juni 2007 in Berlin - Vom Junker zum Bürger. Hellmut von Gerlach - Demokrat und Pazifist in Kaiserreich und Republik

Vom Junker zum Bürger. Hellmut von Gerlach - Demokrat und Pazifist in Kaiserreich und Republik
Tagung vom 1. bis 2. Juni 2007 in Berlin in deutscher Sprache

Veranstalter:
Freie Universität Berlin (Prof. Dr. Christoph Koch und Prof. Dr. Wolfgang Wippermann) in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland e.V., der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union, der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft e.V., WeltTrends e.V., der Deutschen Friedensgesellschaft, der Internationalen Liga für Menschenrechte, der Zweiwochenschrift “Ossietzky” und der Deutsch-Polnischen Akademischen Gesellschaft e.V.

Die Tagung wird gefördert aus Mitteln der Bundeszentrale für politische Bildung

Tagungsprogramm:

Freitag, 1. Juni 2007

10.00 Uhr:
Eröffnung der Tagung, Grußworte

10.30 Uhr:
Hans-Jürgen Bömelburg (Nordost-Institut, Lüneburg):
“Von rechts nach links”

11.30 Uhr:
Susanne Böhme-Kuby (Universität Venedig/Udine):
Pazifismus im Kontext der “Weltbühne” Tucholskys, von Ossietzkys und von Gerlachs

12.30 Uhr: Mittagspause

14.00 Uhr:
Wolfgang Wippermann (Freie Universität Berlin):
Hellmut von Gerlach als Kritiker des Hakatismus

15.00 Uhr:
Krzysztof Rzepa (Adam Mickiewicz Universität Poznan):
Hellmut von Gerlach und der Zusammenbruch der deutschen Polenpolitik

16.00 Uhr: Kaffeepause

16.30 Uhr:
Przemyslaw Hauser (Adam Mickiewicz Universität Poznan):
Alternativen der preussischen Polenpolitik aus polnischer Sicht

Samstag 2. Juni 2007

9.00 Uhr:
Helmut Donat (Bremen)
“Ein Ost-Locarno ist christliche Gewissenspflicht!” Der Hass auf Polen im Spiegel der deutschen pazifistischen Presse 1918-1933

10.00 Uhr:
Karl Holl (Universität Bremen)
Hellmut von Gerlach - demokratischer Pazifist und unbeirrbarer Freund Frankreichs

11.00 Uhr: Kaffeepause

11.30 Uhr:
Heinrich Pohl (Universität Kiel)
Hellmut von Gerlach und der Nationalliberalismus

12.30 Uhr: Mittagspause

14.00 Uhr:
Mario Kessler (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam)
Antisemitismus und die Linke in der Weimarer Republik

15.00 Uhr:
Jörg Wollenberg (Universität Bremen)
“Friedensgefährdender Pazifismus” als Weg zu einem neuen Deutschland in einem neuen Europa. Hellmut von Gerlachs Arbeit für die Volksfront im französischen Exil

16.00 Uhr: Kaffeepause

16.30 Uhr:
Eckart Spoo (Berlin)
Die Aktualität Hellmut von Gerlachs

17.30 Uhr:
Christoph Koch (Freie Universität Berlin)
Der Schatten des Reiches. Zur notwendigen Fortsetzung des mühsamen Geschäfts

18.30 Uhr: Tagungsende

Veranstaltungsort:
Freie Universität Berlin, Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften, Hittorfstr. 2-4, 14195 Berlin

Teilnahmegebühr:
Beträgt 10 EUR (ermäßigt 5 EUR).

Bitte melden Sie sich an unter gerlach@polen-news.de oder
per Post bei Karl Forster, Risaer Str. 55, D-12627 Berlin

8. bis 10. Juni 2005: Deutsch-polnische Geschichte 1939-1945 im Spiegel der Fotografie. Fachtagung über fotografische Quellen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs

im Wissenschaftliches Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Majakowskiring 47, 13156 Berlin-Pankow
in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Photographie e.V. Finanziert von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.

Veranstaltungsankündigung (geplantes Programm)

Anläßlich des 60jährigen Kriegsendes führte die Deutsch-Polnische Akademische Gesellschaft e.V. in Zusammenarbeit mit der Polnischen Akademie der Wissenschaften eine wissenschaftliche Tagung durch, auf der deutsche und polnische Experten über Fotografien zur deutsch-polnischen Geschichte während des Zweiten Weltkriegs diskutierten. Wie Bundestagspräsident Wolfgang Thierse in seinem Grußwort zu der Tagung unterstrich, ist es ein schwieriges Unterfangen, Fotografien als historische Quellen im bilateralen Kontext sachlich korrekt zu interpretieren. Zugleich wächst die Bedeutung von historischen Fotografien als Dokumenten der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg. Die öffentlichen Kontroversen um einzelne Fotografien der ersten Ausstellung über die Verbrechen der deutschen Wehrmacht in Osteuropa des Hamburger Instituts für Sozialforschung haben die Fachwelt inzwischen dafür sensibilisiert, dass der Umgang mit Fotografien als historischen Quellen verbessert werden muss und dass eine sachlich korrekte Identifizierung von einigen Bildinhalten nur im Rahmen einer Länder übergreifenden Zusammenarbeit möglich ist. Vor diesem Hintergrund zielte die Tagung auf eine Verstärkung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit deutscher und polnischer Experten und auf eine gemeinsame Diskussion von methodischen Zugängen, herausragenden Bildbeständen und Bildthemen. Die thematischen Schwerpunkte der Tagung lagen auf der Frage nach dem angemessenen methodischen Zugang zum Bildmaterial, einer genaueren Eingrenzung von verschiedenen Herstellergruppen fotografischer Aufnahmen während des Krieges und Fotodokumenten von den nationalsozialistischen Verbrechen (Zwangsarbeit, Gettos, Lager). Polnische Referenten stellten neuere historische Ausstellungen über die Jahre 1939-1945 vor, darunter beispielsweise eine Ausstellung des Fotohistorischen Museums Krakau, die private Kriegsfotos deutscher und polnischer Soldaten zu parallelisieren sucht. Die Tagung wurde von Miriam Arani inhaltlich vorbereitet und in Zusammenarbeit mit Professoren der Polnischen Akademie der Wissenschaften moderiert.

Die einzelnen Beiträge:

Mittwoch, 8. Juni 2005

Einleitung zur Tagung von Miriam Arani (PowerPoint-Präsentation als PDF-Datei - 1,7 MB)

Dr. Piotr Swiatek, Physiker, Deutsche Gesellschaft für Photographie e.V.: Die Fototechnik der 30er und 40er Jahre und die Qualität der Fotografie als Dokument

Verglichen mit den heutigen Standards hat die Phototechnik der dreißiger und vierziger Jahre Erstaunliches vollbracht. Ebenso die Abzugstechniken: Obwohl die Abzüge per Hand gemacht wurden, haben sie eine sehr gute Reproduzierbarkeit und Haltbarkeit gezeigt. Obwohl es den Negativen - im Vergleich zu heute - an Empfindlichkeit fehlte, sind die damals unter „normalen“ Bedingungen gemachten Aufnahmen den heutigen ebenbürtig.
Der Vortrag wird an einigen Beispielen zeigen, dass die Photographie der Kriegszeit, als Informationsträger gesehen, als Zeitzeuge und Dokument den gleichen Wert wie die heutige Photographie besitzt.

Piotr Swiatek, geboren in Breslau, studierte Physik in Warschau und promovierte 1986 an der Universität Köln in Experimentalphysik. Er arbeitete bis 2000 als Wissenschaftler im Forschungszentrum Jülich. 1992 - 2004 war er Lehrauftragter im Fachbereich Photoingenieurwesen der Fachhochschule Köln, wo er zuletzt photographische Gerätetechnik und Sensitometrie unterrichtete. Seine besonderen Interessen gelten der Theorie der Farbe und der digitalen Photorekonstruktion. Er ist seit 1995 Mitglied bei DGPh. Zur Zeit ist Piotr Swiatek Science Officer im COST-Büro der European Science Foundation in Brüssel.

Dr. Petra Bopp, Kunsthistorikerin, DFG-Forschungsprojekt an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg: Mit der Kamera im Krieg. Einige methodische Überlegungen zur kunsthistorischen Betrachtung von Privatfotos der Wehrmachtssoldaten im Zweiten Weltkrieg.

Anonyme Fotoalben in Museen und privaten Sammlungen sowie namentlich fixierte Fotokonvolute sind Forschungsgegenstand des DFG-Projekts „Fremde im Visier. Zur privaten Fotografie der Wehrmachtssoldaten im Zweiten Weltkrieg.“ Aus diesem Untersuchungskomplex möchte ich mit einigen Beispielen unterschiedliche kunsthistorische Herangehensweisen beleuchten. Diese bislang vernachlässigte Quelle zur visuellen Rezeption des Zweiten Weltkriegs liegt im Schnittfeld verschiedener Disziplinen und kann mit mediengeschichtlichen, soziologischen und kunsthistorischen Ansätzen betrachtet werden. Die ästhetische Form des Fotos wird im Kontext ihrer politischen und kulturellen Prägung situiert. Das motivische Repertoire, die Formanalyse als auch der Narrationsraum des Albums geben Aufschluß über die Konstruktion von Erinnerung dieser Kriegsteilnehmer. Im Spannungsraum von privater und öffentlich professioneller Fotografie, von Alltagsmedien (Zeitungen, Bildbänden, Postkarten, Plakaten) sowie Kunstfotografie und Malerei verorten sich diese biografischen Spuren zu vielschichtigen symbolischen Formen.

Dr. Petra Bopp, Kunsthistorikerin, lebt und arbeitet in Hamburg und Oldenburg. Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Ethnologie in Hamburg. Promotion 1990 in Kunstgeschichte mit dem Thema „Die ästhetische Kolonisierung des Orients“. 1990-93 wiss. Mitarbeiterin in der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg, Referat Bildende Kunst (1990-93). Lehraufträge am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg (1993-95, 2003). Koordinatorin der Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ beim Hamburger Institut für Sozialforschung und beim Verein zur Förderung der Ausstellung „Vernichtungskrieg.“ e.V. (1995-2001). Seit April 2004 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Fremde im Visier. Privatfotografie der Wehrmachtssoldaten im Zweiten Weltkrieg“ unter der Leitung von Prof. Dr. Detlef Hoffmann, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Publikationen (Auswahl): Viewing the photographs of Willi Rose, in: Thomas Eller (ed.), Shadows of War. A German Soldier’s Lost Photographs of World War II, New York, Abrams 2004; „Hier ging der Krieg nicht spurlos vorbei.“ Konstruktionen von Erinnerung in den Fotoalben eines Wehrmachtssoldaten, in: Detlef Hoffmann, Kunst nach dem Krieg, Rehberg-Loccum 2004 (Loccumer Protokolle 72/03), S. 211-225; Orientalismus im Bild. 1903: Rudolf Lehnerts erste Fotoexkursion nach Tunesien und die Tradition reisender Orientmaler, in: Alexander Honold, Klaus R. Scherpe (Hg.), mit Deutschland um die Welt. eine Kulturgeschichte des Fremden in der Kolonialzeit, Stuttgart 2004, S. 288-299; Fremde im Visier. Private Fotografien von Wehrmachtssoldaten, in: Anton Holzer (Hg.), Mit der Kamera bewaffnet. Krieg und Fotografie, Marburg 2003, S. 97-117; Les images photographiques dans les expositions sur les crimes de la Wehrmacht ou comment l’histoire devient intime, in: Sophie Wahnich (Hg), Fictions d’Europe, Paris 2003, S. 189-209 ; Für eine Philologie des Auges, in: Wolfgang Ernst, Anselm Franke (Hg), Politik der Bilder. Visuelle Kompetenz und Kriegsbildrhetorik, Berlin 2002, S. 44-61; „Wo sind die Augenzeugen, wo ihre Fotos?“, in: Hamburger Institut für Sozialforschung (Hg), Eine Ausstellung und ihre Folgen, Hamburg 1999, S. 198-229.

Dr. Cord Pagenstecher, Geschichtswerkstatt Berlin e.V.: Private Fotografien von Zwangsarbeitern in Berlin

Privatfotos ehemaliger ZwangsarbeiterInnen waren der Forschung bis vor wenigen Jahren weitgehend unbekannt. Knipsen im Lager – ist das nicht ein Widerspruch in sich? Tatsächlich konnte die Berliner Geschichtswerkstatt durch Briefsendungen ehemaliger ZwangsarbeiterInnen und durch Recherchen in den Archiven der Betroffenenverbände zahlreiche private Fotografien aus Berliner Zwangsarbeiterlagern sammeln. Das Archiv der Berliner Geschichtswerkstatt enthält über 1000 Fotos, davon etwa 150 von polnischen ZivilarbeiterInnen, teils selbst geknipste Bilder und Schnappschüsse von KameradInnen, teils Erfassungsfotos sowie Porträts und Gruppenbilder von deutschen Profifotografen. Es handelt sich also um zeitgenössische Bilder, die von ZeitzeugInnen aufbewahrt und ausgesucht wurden.
Eine Analyse dieser Bilder nach ihrem Entstehungs- und Aufbewahrungskontext, also den begrenzten Fotografiermöglichkeiten unter den Bedingungen der Zwangsarbeit sowie den spezifischen biografischen Funktionen privater Fotografie, erklärt den thematischen Schwerpunkt der Fotos in den Bereichen Freizeit und Lagerleben. Genauer betrachtet wird dann, wie die polnischen ZwangsarbeiterInnen das Leben in Baracke und Lager, diesen Alltag im Ausnahmezustand, wahrgenommen und fotografisch dargestellt haben.

Dr. Cord Pagenstecher, Historiker, geb. 1965, wohnt in Berlin. Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Berliner Geschichtswerkstatt (seit 1989), der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück (1998 - 2000) und der Entschädigungsbehörde des Landes Berlin (seit 2001), Vorsitzender des Fördervereins für ein Dokumentations- und Begegnungszentrum zur NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide. Publikationen (Details unter www.cord-pagenstecher.de) u.a.: Arbeitserziehungslager Fehrbellin. Zwangsarbeiterinnen im Straflager der Gestapo, hrsg. von der Berliner Geschichtswerkstatt (Brandenburgische Historische Hefte der Brandenburgischen Landeszentrale für Politische Bildung, 17), Potsdam 2004 (Mitarbeit); Der bundesdeutsche Tourismus. Ansätze zu einer Visual History: Urlaubsprospekte, Reiseführer, Fotoalben, 1950 - 1990, Hamburg 2003 (zugl. Diss. FU Berlin); Vom vergessenen Lager zum Dokumentationszentrum? Das ehemalige NS-Zwangsarbeiterlager in Berlin-Schöneweide, in: GedenkstättenRundbrief Nr. 111, März 2003, S. 3 - 13 (zusammen mit Gabriele Layer-Jung), auch unter http://www.zwangsarbeit-in-berlin.de abrufbar; Erfassung, Propaganda und Erinnerung. Eine Typologie fotografischer Quellen zur Zwangsarbeit, in: Reininghaus, Wilfried / Reimann, Norbert (Hrsg.), Zwangsarbeit in Deutschland 1939 - 1945. Archiv- und Sammlungsgut, Topographie und Erschließungsstrategien, Bielefeld/Gütersloh 2001, S. 254 – 266; Privatfotos ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter - eine Quellensammlung und ihre Forschungsrelevanz, in: Meyer, Winfried / Neitmann, Klaus (Hrsg.), Zwangsarbeit während der NS-Zeit in Berlin und Brandenburg. Formen, Funktion und Rezeption, Potsdam 2001, S. 223 – 246; Zwangsarbeit in Berlin 1940 – 1945. Erinnerungsberichte aus Polen, Weißrußland und der Ukraine, hrsg. von der Berliner Geschichtswerkstatt, Erfurt 2000 (Mitarbeit); Knipsen im Lager? Privatfotos eines niederländischen Zwangsarbeiters im nationalsozialistischen Berlin, in: Fotogeschichte, 18 (67). 1998, S. 51 – 60; Vergessene Opfer – Zwangsarbeit im Nationalsozialismus auf öffentlichen und privaten Fotografien, in: Fotogeschichte, 17 (65). 1997, S. 59 – 72.

Danuta Jackiewicz, Leiterin der ikonografischen Abteilung des Polnischen Nationalmuseums, Warschau: Kriegsfotografien von Stefan Plater-Zyberk (1891-1943)

Stefan Plater-Zyberk (1891, Kurtowiany – 1943, Auschwitz) gehört zum Kreis der herausragenden polnischen Fotografen der Zwischenkriegszeit. Nach dem Studium an der Warschauer Kunsthochschule widmete er sich seiner geliebten Fotografie, die er schon seit der Zeit vor dem ersten Weltkrieg als Amateur betrieb. 1927 gründete er an der Długastr. 42 in Warschau die private Fotoagentur PHOTO-PLAT, die die in- und ausländische Presse mit aktuellen Fotos belieferte. Am bekanntesten ist er aufgrund seiner Landschaftsfotografie, die er 1926 in der Ausstellung „Das Schöne Polen“ vorstellte. Er verewigte für die Nachwelt die Landschaftsbilder von Polesie, dem Huzulenland (Ostkarpaten), Podhale, der Gegend um Vilnius und Schlesien. An Schlesien reizte ihn besonders die Industrielandschaft, ein damals modernes Thema, geschätzt von Künstlern ebenso wie von der staatlichen Propaganda. Von der herausragenden Position Stefan Plater-Zyberks unter den zeitgenössischen Fotografen zeugt auch seine Mitgliedschaft im elitären Polnischen Foto-Klub.
Nach dem Überfall des faschistischen Deutschland auf Polen fotografierte Stefan Plater-Zyberk weiter. Er führte auch sein Fotogeschäft weiter, für eine Abteilung des polnischen Geheimdienstes. Den Krieg überlebte er nicht. Er teilte das Los vieler bedeutender polnischer Fotografen, die in den Vernichtungslagern umgebracht worden sind. Seine Fotos, mit der Familie über die ganze Welt verstreut, sind jetzt sorgfältig zusammengefaßt, um etwas über das Schicksal von Stefan Plater-Zyberk herauszubekommen und die Geschichte vieler Fotos aus dem okkupierten Warschau zu enträtseln.
Gegenstand der Präsentation und Analyse werden Kriegsfotografien aus dem Familienarchiv Plater-Zyberk sein.

Danuta Jackiewicz, 1978 Abgeschlossenes Studium an der geschichtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Warschau. Seit 1979 Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Nationalmuseum Warschau in der Abteilung Ikonographische und Photographische Sammlungen. 1990 Erarbeitung und Präsentation der ersten Ausstellung der umfangreichen und bedeutenden Photosammlungen des Nationalmuseums Warschau mit dem Titel Die Kunst des Photographierens. Portrait, Landschaftsmalerei, Reportage in der polnischen Lichtbildnerei des 19. Jh. . Seit 1991 Kuratorin der Ikonographischen und Photographischen Sammlungen im Nationalmuseum Warschau. 1995 Organisation und Präsentation der Ausstellung und Erarbeitung des Ausstellungskatalogs Warschau 1940-1941 in Fotografien von Dr. Hans-Joachim Gerke. Seit 2000 Vorlesungen zur Geschichte der Lichtbildnerei im Kunst-Institut der Universität Warschau.

Donnerstag, 9. Juni 2005

Dr. Michael Hollmann, Bundesarchiv, Koblenz: Fotografien aus Polen 1939-45 in den Bildbeständen des Bundesarchivs

Die Aufgabe der Archive im Bereich der Interpretation von Fotografien als historische Quellen liegt neben der Sammlung, Sicherung und Bereitstellung der Fotografien selbst in der Schaffung der quellenkritischen Beurteilungsgrundlagen. Dazu gehört insbesondere die möglichst präzise Dokumentation der Entstehungskontexte und der Überlieferungsgeschichte. Eine kontextbezogene Erschließung, wie das im Archivwesen allgemein anerkannte Provenienzprinzip diese für Archivgut aller Quellentypen postuliert, ist im Bereich der Fotografien deutlich schwieriger zu realisieren als bei Schriftgut, sie ist dennoch eine entscheidende Voraussetzung.
Das Bundesarchiv ist mit mehr als 10 Millionen Fotografien eines der größten historischen Bildarchive in Deutschland. Die Bestände reichen von der Zeit der Einigung Deutschlands unter preußischer Führung zum Deutschen Reich bis hin zur Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1990. Meist handelt es sich um Provenienzbestände im eigentlichen Sinne der Definition. Der größte Bestand Bild 183 ADN-Zentralbild mit mehr als 3,5 Millionen Fotos enthält jedoch neben den im Auftrag der ADN produzierten Fotos auch erworbene Sammlungen, wie z.B. auch den größeren Teil der früheren Berliner Bildagentur Scherl, vor 1945 eine der größten Bildagenturen Europas. Weitere Hauptbestände sind der Bestand B 145 Bild (Presse- und Informationsamt der Bundesregierung) mit mehr als 1 Million Fotos und Bild 101 (Propaganda-Kompanien der Wehrmacht und der Waffen-SS).
Das Bundesarchiv ist derzeit im Begriff, seine Bildbestände sukzessive mit Hilfe einer seit Januar 2005 sich im Wirkbetrieb befindenden Bild-Datenbank zu erschließen und - zumindest in einer repräsentativen Auswahl - ab Frühjahr 2006 auch online über das Internet zur Verfügung zu stellen. Damit soll zum einen der Zugang zu den Bildquellen erleichtert, zum anderen aber auch ein verbesserter Authentizitätsnachweis geboten werden. Wenn das Bundesarchiv alle Fotos, die für Veröffentlichungszwecke an Benutzer herausgegeben werden, auch im Internet vorlagengetreu und mit den zugehörigen Metadaten veröffentlicht, können solche Bilder künftig nicht mehr, wie dies häufiger vorkommt, unbemerkt durch die Betrachter durch Veränderung der Bildausschnitte oder eine abweichende Zuordnung der Fotos manipuliert werden.
Der Bestand Bild 101 Propaganda-Kompanien zählt zu den am meisten benutzten Bildbeständen des Bundesarchivs. Wie die Diskussionen um die sogenannte „Wehrmachtsausstellung“ gezeigt haben, müssen die quellenkritischen Rahmenbedingungen in diesem Fall mit besonderer Sorgfalt in die Bildinterpretation einbezogen werden. Nach einer Odyssee durch das Gebiet zwischen heranrückenden amerikanischen und sowjetischen Truppen wurde ein Drittel - ca. 1,1 Millionen Fotos - der ursprünglich ca. 3,5 Millionen Fotografien durch amerikanische Truppen beschlagnahmt; viele Fotos gingen verloren. Wie eine beträchtliche Teilmenge der PK-Fotos in die Verfügung der französischen Streitkräfte gelangte, lässt sich derzeit noch nicht nachvollziehen; das ECPA-D in Paris-Fort d’Ivry verwaltet heute mehr als 300.000 PK-Fotos. 1962 wurden die zwischenzeitlich in die USA verbrachten Fotos an die Bundesrepublik zurück- und dem Bundesarchiv übergeben.
Im Bundesarchiv wurden die PK-Fotografien entsprechend ihrer Provenienz den Teilbeständen Bild 101 I (Heer und Luftwaffe), Bild 101 II (Marine) und Bild 101 III (Waffen-SS) zugeordnet. Während der Teilbestand Bild 101 III „nur“ aus Alben mit Kontaktabzügen besteht, sind von den PK des Heeres, der Luftwaffe und der Marine die originalen Negative auf Nitrozellulose-Basis in das Bundesarchiv gelangt. Hier wurden sie auf Sicherungsfilm im Mikroficheformat umkopiert und ein Teil der explosiven Nitrofilme aus Sicherheitsgründen vernichtet. Für Benutzungszwecke wurden von den Sicherungsfilmen Kontakt-Abzüge hergestellt. Die PK-Fotos der Waffen-SS werden dagegen durch die Vorlage der Alben zugänglich gemacht.
Die Bestände sind bislang nur provisorisch erschlossen worden. Der Zugang erfolgt derzeit über eine vergleichweise grobe Auflistung der Filminhalte, die nur für die Bestände Bild 101 II (Marine) und Bild 101 III (Waffen-SS) etwas detaillierter ist. Immerhin konnten mehr als 1200 Fotografen aus 94 PK-Einheiten identifiziert und für ca. 30000 Filme das Einsatzgebiet ermittelt werden, in dem die PK eingesetzt war.
Über diese provisorischen Findmittel konnten dennoch 818 Filme von 10 PK-Einheiten ermittelt werden, die während des Zweiten Weltkriegs in Polen zwischen September 1939 und Juli 1941 belichtet wurden. Zeitlich verteilen sie sich wie folgt: 1939: 391 Filme, Winter 1940/41: 52 Filme, 1941: 375 Filme.
Außer dem originalen Ausgangsmaterial des Bestands Bild 101 sind auf verschiedenen Wegen zahlreiche Agentur-Abzüge von PK-Fotografien in das Bundesarchiv gelangt. Soweit dies vor 1994 geschah, wurden sie dem sachthematischen „Referenzbestand“ Bild 3 zugeordnet und entsprechend einer sachlich-chronologischen Klassifikation geordnet. Mit dem Bestand Bild 183 ADN kamen auch die Bildbestände der früheren Agentur Scherl zu einem großen Teil in das Bundesarchiv, darunter auch zahlreiche PK-Fotos. Diese Agentur-Abzüge tragen meist und im Gegensatz zu den Ausgangsmaterialien auf der Rückseite die offiziellen Bildtexte, die nicht nur das Motiv beschreiben und das Aufnahme- oder Ausgabedatum eines Bildes angeben, sondern auch wichtige Hinweise auf die intendierten Interpretationen der PK-Fotos geben.
Ein Abgleich der Agentur-Abzüge mit den Ausgangsmaterialien wurde bislang nicht durchgeführt, so dass derzeit keine Aussage möglich ist, wie viele der im Frühjahr 1945 verloren gegangenen PK-Fotografien auf dem Weg über die Agenturen doch erhalten geblieben sind.

Dr. Michael Hollmann, geb. 1961 in Aachen; Schule und Abitur in Koblenz; Studium der Geschichte, Germanistik und Theologie in Mainz; Promotion in Mittlerer und Neuerer Geschichte über das Mainzer Domkapitel im späten Mittelalter (1988); Archivreferendariat im Bundesarchiv und an der Archivschule Marburg 1989-1991; seit 1991 Referatsleiter im Bundesarchiv auf verschiedenen Funktionen, seit Jan. 2004 als Leiter des Bildarchivs des Bundesarchivs in der Hauptdienststelle des Bundesarchivs in Koblenz; Publikationen: u.a. 2 Bände im Rahmen der Edition der Kabinettsprotokolle der Bundesregierung und Quellenkunde zur Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Wiss. Buchgesellschaft).

Dr. Bernd Boll, Historiker, Freiburg: Das Bild als Waffe. PK-Fotografien als Quelle für den Zweiten Weltkrieg.

(Überarbeitete Veröffentlichung des Vortrags: ders., Das Bild als Waffe. Quellenkritische Anmerkungen zum Foto- und Filmmaterial der deutschen Propagandatruppen 1938-1945. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (2006) Heft 11, S. 974-998).

Dr. habil. Maria Rutowska, Historikerin, West-Institut, Poznan: Die Fotosammlung in den Beständen des Archivs des II Weltkrieges im Westinstitut Poznań

Die Entstehungsgeschichte des Archivs des II Weltkrieges ist verbunden mit den wissenschaftlichen Forschungsarbeiten einer im Westinstitut 1945 neu gegründeten Sektion, der späteren Abteilung zur Erforschung der deutschen Okkupation Polens. Den Grundbestand des Archivs stellen 1945-1948 gesammelte Dokumente und Fotografien dar.
In den folgenden Jahren konnten die Bestände dank der wissenschaftlichen Forschungsarbeit und Spenden von Privatpersonen erweitert werden. In letzter Zeit wurde das Archiv mit seinen deutschen und polnischen Dokumenten, aber auch mit Tagebüchern, Zeugenvernehmungsprotokollen, Materialien aus den Forschungsarbeiten und andere Materialien, die einen archivalischen Wert haben, neu geordnet und aufgearbeitet. Der Bestand umfasst ca. 3.000 inventarisierte Positionen.
Ein integrativer Bestandteil des Archivs ist seine Fotosammlung mit ca. 8.000 Stück. Sie entstand durch Spenden anderer Institutionen und Privatpersonen, nur einige wenige Teile sind käuflich erworben worden. Zu 95% sind die Bilder deutscher Herkunft, die übrigen 5% polnischer Herkunft.
Von den rund 70% der Bilder, die die Kriegszeit und deutsche Okkupation darstellen, betreffen ca. 60% das Generalgouvernement (GG) und 40% die vom Reich annektierten Gebiete. Die restlichen 30% betreffen das III. Reich oder andere okkupierte Staaten Europas.
Alle gesammelten Fotografien kann man in neun systematische Themenfelder einordnen:

  • die Septemberkampagne 1939 sowie die Kriegsereignisse auf den polnischen Gebieten 1945
  • die Lebensbedingungen der polnischen und ukrainischen Bevölkerung sowie der Deutschen im Generalgouvernement
  • die sowjetischen Verbrechen in Katyn 1940
  • das Kriegsgeschehen in Europa, das III. Reich
  • die deutsche Bevölkerung im Warthegau und in anderen vom Reich annektierten polnischen Gebieten
  • die Lage der polnischen Bevölkerung im Warthegau, darin die Aussiedlung von Polen und Juden ins Generalgouvernement
  • die deutschen Verbrechen an der polnischen Bevölkerung, auch Vernichtungs- und Konzentrationslager
  • der Warschauer Aufstand 1944
  • Partisanenaktionen der Armia Krajowa

Dr. habil. Maria Rutowska, Historikerin, Westinstitut Poznań, wichtigste Publikationen: Straty osobowe i materialne kultury polskiej w latach II wojny światowej. W-wa/Poznań 1984 (Personen- und materielle Schäden an der polnischen Kultur in den Jahren des II. Weltkrieges); Losy polskich środowisk artystycznych 1939-1945. Architektura, sztuki plastyczne, muzyka i teatr. Poznań 1997 (Schicksale der polnischen Künstler); Wysiedlenia ludności polskiej z Kraju Warty do Generalnego Gubernatorstwa 1939-1941. Poznań 2003(Aussiedlung der polnischen Bevölkerung des Warthegaus ins GG).

Dr. Marek Budziarek, Leiter der Abteilung Geschichte und Kultur im Museum der Stadt Lodz: Archiv des Verbrechens. Fotografien aus dem Getto Lodz 1940-1944.

Das Ghetto Łódź – ein besonderer Ort in der gesamten Geschichte des okkupierten Europas – hinterließ als Institution wie auch als in ihm eingeschlossenen Gesellschaft historische Quellen. Das sind vor allem umfangreiche, hervorragende Sammlungen aus der jüdischen und faschistischen Verwaltung. Außerdem blieben zahlreiche Handschriften, materielle Güter und eine Fotosammlung erhalten. Diese Materialien sind natürlich entsprechend Charakter und Technik, künstlerischer Qualität etc. sehr unterschiedlich. Sie zeigen jedoch ein umfassendes Bild des Geschehens und Funktionierens im „Wohngebiet der Juden in Litzmannstadt”.
Die gegenwärtige Fotosammlung des Ghettos schätzt man auf einen Umfang von über 7.500 Objekten. Die Schöpfer der meisten Fotos sind zwei namhafte jüdische Fotografen: Mendel Grosman und Henryk Ross. Von der Gründung des Ghettos an zeigten sie das propagandistische Bild der Ghettoverwaltung, und gleichzeitig – illegal – hielten sie die dramatischen Ereignisse im Todesbezirk, den Holocaust im Ghetto Łódź fest. Die jüdischen Fotografen waren sich darüber bewusst, dass sie ein Material schaffen für die Nachwelt, ein Material, das die Verbrechen am jüdischen Volk dokumentieren sollte. Dagegen sind die farbigen Dias des Österreichers Walter Genewein ausschließlich eine Vision des Funktionierens eines Musterghettos im Dienste des Nationalsozialismus, eine Vision, wie sie der Chef der Ghettoverwaltung Hans Biebow gerne zeigen wollte. Außer diesen drei namentlich bekannten Fotografen gab es im Apparat noch Deutsche und Polen, deren Namen jedoch unbekannt sind. Die Gründe ihres Fotografierens sind wenig lesbar und man muss annehmen, dass sie meistens dokumentarische Zwecke verfolgten.
Die Fotos aus dem Ghetto Łódź hatten schon zu Zeiten des zweiten Weltkrieges und der Okkupation ein Eigenleben. Sie wurden präsentiert auf Konferenzen der nazistischen Verwaltung, waren der Stolz der Faschisten bei der „Endlösung der Judenfrage in Litzmannstadt”. Aber auch die im Ghetto eingeschlossenen Bevölkerung wusste um den unschätzbaren historischen Wert der Bilder.

Dr. Marek Budziarek (geb. 1951), Dr. theol. (Kirchengeschichte), Journalist, Sachbearbeiter im Museum der Geschichte der Stadt Łódź, Dozent für Kirchengeschichte am Theologischen Institut „Bobolanum” inWarschau. Autor dutzender Buchbeiträge und vieler Artikel, Rezensionen etc. zu Neuester Geschichte, zum Zweiten Weltkrieg, Okkupation und Ghetto Łódź .

Ute Wrocklage, Fotohistorikerin, Hamburg: Fotografische Quellen aus dem Lager Auschwitz: Bauleitung, Erkennungsdienst, Widerstand.

(kein Abstract vorhanden)

Michalina Wysocka, Leiterin des Büros zur Archivierung und Nutzung der Dokumente des Institut des Nationalen Gedenkens, Warschau: Über die Sammlung von Fotografien aus den Jahren der Besatzungszeit 1939-45 im Institut des Nationalen Gedenkens.

(kein Abstract vorhanden)

Agnieszka Luczak und Dr. Aleksandra Pietrowicz, Institut des Nationalen Gedenkens (OBEP IPN Abt. Poznań/Posen): Die Ausstellung „Das Alltagsleben im besetzten Großpolen 1939-1945 – Konzeption und Vorbereitung

Die Ausstellung, konzipiert von der Posener Abteilung des Büros für Öffentliche Bildung im Institut für Nationales Gedenken, wurde zum ersten Mal im Februar 2003 gezeigt. Seitdem war sie in 15 Städten der Wojewodschaften Großpolen und Lebus zu sehen. Wir erstellten das allgemeine Konzept, führten eine Quellenrecherche durch und sammelten die Mehrzahl der ausgestellten Exponate. In die Quellenrecherche bezogen wir das Archiv Neuer Akten in Warschau, das Archiv und die Bibliothek in Posen, die öffentliche Bibliothek in Oborniki sowie zehn Museen in Posen und Großpolen mit ein. Des weiteren durften wir auf Sammlungen von Privatpersonen zurückgreifen.
Der Zeitrahmen der Ausstellung umfasst die gesamte Besetzung Großpolens durch das NS-Regime, sprich: September 1939 bis Februar 1945. Bezüglich des Territoriums beschränkten wir uns auf das Gebiet der Wojewodschaft Posen in den Grenzen der Vorkriegszeit.
Unser Ziel war es, die alltäglichen Lebensumstände der Bevölkerung im besetzten Großpolen darzustellen und zu zeigen, wie Krieg und politische Führung der Bevölkerung ihren Stempel aufdrückten. Wir wollten das größtmögliche Spektrum an Aspekten des Alltagslebens jenes Gebietes darstellen, das der Gauleiter Arthur Greiser selbst als „Mustergau“ bezeichnete. Dargestellt werden sollte die Konfrontation zwischen Polen und Deutschen im Alltagsleben in ihren verschiedensten Aspekten, sowohl in der Großstadt, als auch in der Kleinstadt und auf dem Dorf. Das gesammelte Foto- und Dokumentationsmaterial umfasst solche Lebensbereiche wie: die materielle Situation (so zum Beispiel von Eltern und ihren Kindern, Arbeits- und Urlaubsbedingungen, die Versorgungs- und Wohnungssituation sowie Gesundheits- und Sozialämter), Kommunikation und Gemeinschaft, demografischer Wandel, religiöses Leben, Bildung, Lehre, Kultur, Spiel und Sport. Alle diese Lebensbereiche wurden durch die Politik der Besatzer beeinflusst, selbst gewöhnliche Alltagsbereiche waren immer auch betroffen von Problemen wie Aus- und Umsiedlung, Germanisierung und Diskriminierung, Terror und Ausrottung. Diese Politik bestimmte auch die Regeln des Zusammenlebens von deutscher und polnischer Bevölkerung. Sowohl die sich irgendwo weit entfernt abspielenden Kämpfe des Krieges und der Diplomatie, wie auch das Martyrium und der Kampf des polnischen Untergrunds bilden den Hintergrund des grauen Alltags, einen wohlgemerkt eminent wichtigen Hintergrund.
Um das Alltagsleben im besetzten Großpolen möglichst vollständig und objektiv darstellen zu können, bedienten wir uns verschiedener Arten von fotografischen Quellen, und zwar: Fotografien mit offiziellem Charakter, Propagandafotos (Presse, Sonderausgaben, Dokumentationen deutscher Propagandastellen), Fotografien aus privaten Quellen, die insbesonders in Regionalmuseen gesammelt wurden (polnische und deutsche), sowie Fotos, die im polnischen Untergrund entstanden. Zur Vervollständigung des Bildes der Okkupationszeit dienten Postkarten aus der Zeit der Besatzung, die über Menschen, Objekte und Orte Aufschluss geben.
In der Ausstellung werden des weiteren Dokumente, Formulare und amtliche Bekanntmachungen, Alltagsgegenstände, Pressefragmente und private Korrespondenzen gezeigt.

Agnieszka Łuczak, Historikerin, Absolventin der Historischen Fakultät der Adam-Mickiewicz-Universität Posen, ist seit 2000 Mitarbeiterin der Posener Abteilung des Büros für Öffentliche Bildung im Institut für Nationales Gedenken. Seit vielen Jahren widmet sie sich Themen wie dem Verlust des Kulturerbes des Landadels sowie der katholischen Kirche in Großpolen in der Zeit der Nazi-Okkupation 1939-1945. Sie ist Autorin zahlreicher Publikationen, die sich mit adeligen Gutshäusern und -höfen in Großpolen und deren Schicksal im Krieg beschäftigen. Zuletzt publizierte sie: Verluste kirchlichen Kulturgutes im Wartheland während der Okkupation, in: S. Jankowiak, J. Milosz: Die Geschichte der katholischen Kirche in Großpolen und in Westpommern, Poznan 2004 sowie Wertvoll, Unbezahlbar, Verloren, in: Dr. hab. Andrzej Kwileckiego: Großpolnischer Landadel. Im aristorkratischen Kreise, Poznań 2004. Sie ist Mitgestalterin der Ausstellung Alltagsleben im besetzten Großpolen 1939-1945, die seit 2002 in zahlreichen Städten Großpolens gezeigt wurde. Für ihre Forschungsarbeit zur Problematik des verlorenen Kulturerbes erhielt sie 2004 ein Stipendium des Polnischen Ministeriums für Kultur.

Aleksandra Pietrowicz, Absolventin der Historischen Fakultät der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen, arbeitet seit 2001 in der Posener Abteilung des Büros für öffentliche Bildung im Institut für Nationales Gedenken. Sie beschäftigt sich allem voran mit der Geschichte der Besetzung Großpolens in den Jahren 1939-1945 und der Teilnahme von Bürgern Großpolens in den Strukturen des polnischen Untergrundstaates. Sie publizierte u.a. Die informelle und dokumentierende Tätigkeit der Hauptdelegatur der Regierung der Polnischen Republik für die dem Dritten Reich einverleibten Gebiete, in: W. Grabowski: Die informelle Tätigkeit des polnischen Untergrundstaates, S. 42-57, sowie Die Beteiligung der Frauen an der Organisatioon „Ojczyzna“ (Vaterland) 1939-1945, in: Elżbieta Zawacka, Materialien zur populärwissenschaftlichen Sitzung in Thorn, Teil 2: Referate und Reden, Thorn 1998. Sie war Mitherausgeberin des Bandes „Ojczyzna“ 1939-1945. Dokumente, Erinnerungen, Publikationen, Posen 2004 (mit Z. Mazur) und der Berichte aus den dem Dritten Reich einverleibten Gebieten (1942-1944), Posen 2004 (mit M. Rutowska und Z. Mazur). Ferner verfaßte sie Sach- und Personenbeiträge in der Enzyklopädie des Großpolnischen Widerstands 1939-1945 unter der Redaktion von M. Woźniak, Posen 1998. Sie ist Mitgestalterin der Ausstellung Alltagsleben im besetzten Großpolen 1939-1945.

Freitag, 10. Juni 2005

Andrzej Rybicki, Museum für Fotografiegeschichte, Krakau: Die Ausstellung “Barrieren überwinden - Brücken bauen. Der Krieg in den Fotografien eines deutschen und eines polnischen Soldaten”.

Im Juni 2004 präsentierte das Museum der Fotografiegeschichte in Krakow die Ausstellung „Barrieren brechen – Brücken bauen. Der Krieg in den Fotografien von deutschen und polnischen Soldaten“. Es wurden 4 Sammlungen von Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg gezeigt, Fotos von dem Obergefreiten Helmut Riemann, von Unteroffizier Tadeusz Szumański, von Oberleutnant Dr. med. Czesław Elektorowicz sowie Fotos aus dem okkupierten Zeitungs-Verlag Krakau-Warschau. Der Ausstellungsarchitekt versuchte darzustellen, wie gewöhnliche Soldaten, in die Kriegswirren oft gegen ihren Willen verwickelt, den Krieg durch das Objektiv einer Kamera sahen.
Die ausgestellten Sammlungen sind eine Dokumentation des Kriegspfades ihrer Autoren. Die dazugehörigen Daten wurden erzählt, so als ob es zu vermeiden gelte, die Bildunterschrift in Konkurrenz zum Bild zu setzen. Das Bild des Krieges, aufgenommen von seinen Teilnehmern, tritt genauso stark hervor auch ohne Bildunterschriften. Die Fotografien haben die Kriegszerstörungen, die Entvölkerung der Städte, die Wege voll mit der Dramatik der Flucht, aber auch Freude über den Sieg und ein wenig Humor eingefangen. Es gibt auch Bilder vom Tod, von Grabstellen der Kameraden, von Verletzten und dem Verscharren der Ermordeten. Die Sammlung Riemann endet mit erschütternden Bildern des Grabes des Obergefreiten vor Leningrad. Diese Fotografie unterscheidet die Sammlung Riemann von den anderen ausgestellten Sammlungen. Tadeusz Szumański und Czesław Elektorowicz überlebten den Krieg, es gab keinen Anlaß, ein solches Foto zu machen. Der Tod Riemanns ist sauber: Gräber, Kreuze, kein Blut, keine Verletzungen, kein Leiden. Die Serie von Bildern des Oberleutnant Elektorowicz mit herumliegenden Leichen vor Monte Cassino, oder die Bilder des Unteroffiziers Szumański aus dem Feldlazarett sind eine naturalistische Illustration des Todes und der soldatischen Leiden.
Die vierte Kollektion in der Ausstellung sind Fotografien aus dem Zeitungs-Verlag Krakau-Warschau. Das ist eine völlig andere Sammlung als die anderen. Sie ist zusammengetragen von vielen Autoren, technisch, in der Aufmachung und Gestaltung hervorragend. Bei manchen könnte man die Echtheit anzweifeln, als ob sie gestellt wären. Diese Fotos stellen direkt das Kampfgeschehen dar, sie adeln den Krieg. Sie wurden von Kriegsfotoreportern produziert, die ihre Anweisungen von der ausländischen Propaganda erhielten. Die veröffentlichten Bilder der Fotografen der deutschen Propagandakompanien wurden durch vorherige Propagandathesen bestimmt: Zeigen des deutschen heldenhaften Soldaten.
Die in der Ausstellung präsentierten Fotografien der Soldaten-Fotografen sind an der Wirklichkeit des Krieges näher dran, als die während des Krieges veröffentlichten Bilder. Dieses Auseinanderlaufen ist besonders sichtbar bei den deutschen Fotos. Sie halten den schriftlichen Erinnerungen der Soldaten an der Front nicht stand, z.B. der Korrespondenz von Soldaten an der Ostfront oder bei den Kämpfen in Italien. In dieser Literatur können wir ein wirkliches Bild des Krieges finden, registriert von deutschen Soldaten. Sogar die Sammlung Riemann, gemacht auf dem Siegesmarsch der Wehrmacht durch Europa, unterscheidet sich von den Pressebildern. Das Private kann man in der Anordnung finden. Die Ursachen dafür sollte man darin suchen, dass Aufnahmen gemeiner Soldaten, wie T. Szumański, Cz. Elektorowicz und andere, nicht in der polnischen Presse publiziert wurden und werden. Die deutschen Verleger nutzten ausschließlich Fotos spezieller Fotoagenturen.
Die Bilder der deutschen und polnischen Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg haben einen zweifachen Wert: sie sind visueller Informationsträger, ein Zeitdokument, und gleichzeitig ein museales Objekt, ein Zeugnis der Fotografiegeschichte.

Andrzej Rybicki M.A., Sachbearbeiter im Fotohistorischen Museum Kraków, Interessenschwerpunkt ist politische Fotografie, insbesondere Kriegs- und Militärfotografie. Ausstellungen und Publikationen zu diesem Themenschwerpunkt, u.a. „Die bolschewistischen Gefangenen aus dem Krieg 1920“ (1995); „Die Professoren der Jagiellonen-Universität – Teilnehmer im polnisch-bolschewistischen Krieg“ (1999); „Die Lüge von Katyn“ (2000); „Polen-Russland im 20.Jh. Eine schwierige Nachbarschaft“ (2002).

Dr. Petra Blachetta, Historikerin, Worms: Ost- und Westjuden in den Gettos in Warschau, Lodz und Lublin unter Hinzuziehung zeitgenössischer Fotografien deutscher Soldaten und eines Volksdeutschen als Primärquellen.

„Foto + Text“, das ist was, was für mich schon lange zusammengehört und wobei zunehmend die Fotografie die Federführung übernommen hatte. Als Hintergrundinformation muß ich sagen, ich bin begeisterte Fotografin und wurde von heute auf morgen als Fotografin einer Tageszeitung ins kalte Wasser geworfen. Daher rühren eine Menge meiner Projekte verbunden mit dem Spürsinn, Fotos zu identifizieren und ihre Geschichte zu entdecken. „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“, sagte mir immer mein Professor an der Technischen Universität Darmstadt und damit kam er mir sehr entgegen.
Auch in diesem Falle hatte ich zuerst die Bilder und erst auf deren Grundlage entwickelte sich die Idee zum obigen Projekt und dem regional geprägten Interesse, den Weg von Juden aus Worms, Mainz, und Bingen nachzuzeichnen, die in Gettos nach Polen deportiert wurden und deren Spuren sich in den Vernichtungslagern Auschwitz, Treblinka und Belzec verlieren. Novum, dass dabei bisher unveröffentlichtes Bildmaterial von Wehrmachtsangehörigen Verwendung findet und dies als Primärquelle genutzt wird. Mit der Nutzung des Querschnittsbereiches „Bild und Bildlichkeit“ wird ein methodischer Neuansatz verwendet, der gleichzeitig einen Perspektivenwechsel beinhaltet, Bilder als Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen, Bilder als Primärquellen zu qualifizieren. Der Einsatz investigativer Bilder in der Historie führt zu einer veränderten Funktion der Bilder im Haushalt des Wissens.
Aus privaten Sammlungen liegen mir unveröffentlichte Fotos aus drei Gettos in Polen vor - Lodz, Warschau, Lublin - insbesondere Bilder eines deutschen Soldaten im Getto von Lublin.

  1. Lodz: Bei den Bildern aus Lodz handelt es sich um zwei Alben, die dem “Herrn Polizeipräsidenten Dr. Albert zur Erinnerung an unsere Zusammenarbeit bei der Lösung der Judenfrage in Litzmannstadt” wahrscheinlich von einem Volksdeutschen gewidmet wurden. Dr. Albert war auch SS-Brigadeführer. Die Bilder sind noch nicht identifiziert, stellen aber eine gewichtige Quelle dar.
  2. Lublin: Durch Zufall kam ich an die Sammlung von Fotografien, die in Worms bei Privatpersonen liegen. Das waren meine ersten „Getto-Fotos“ und die, die mich sehr neugierig auf den Hintergrund dieser Fotografien machten. Die Aufnahmen machte ein 1944 vermisst gemeldeter deutscher Soldat. Heinrich Kumpf ging wohl ganz offensichtlich wegen seiner fehlenden Berührungsangst sehr offen und freundlich auf seine Gegenüber zu. Er hatte hier in Worms mit typischen Westjuden zu tun, traf in Lublin jedoch auf typische Ostjuden, also ein für ihn völlig neues Menschenbild, das er mit seiner Kamera „einfangen“ wollte und zu seiner jungen Frau nach Pfeddersheim schickte. Später wollte er ihr erklären, was es mit den Bildern auf sich habe. Kathrine ließ die Filme entwickeln und wunderte sich über das Interesse ihres Mannes für Anthropologie, denn die Menschen, die sie hier sah, waren andere Juden als die, die sie von Worms kannte.
    Dazu sollen in Polen vorhandene Bilder aus dem Getto Piaski, einer Nebenstelle des Lubliner Gettos herangezogen werden, weil es neue Aufschlüsse zum Schicksal der Wormser, Mainzer und Binger Juden geben soll, die im März 1942 dorthin deportiert wurden.
  3. Warschau: Über die Lubliner Fotos erhielt ich nach Veröffentlichung eines Beitrags in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Bildmaterial, das in einem Paderborner Antiquariat auftauchte: Bilder eines deutschen Soldaten aus dem Warschauer Getto.

Dr. Petra Blachetta, Historikerin. Studium an der Technischen Universität Darmstadt. Lebte 1988-1996 in Warschau, forschte dort wissenschaftlich und arbeitete als PR-Managerin und Chefredakteurin für die deutsche Industrie. 1991 Promotion zur deutschen Parteiengeschichte in Polen in der Zwischenkriegszeit. Seitdem freiberuflich als Historikerin und Journalistin tätig. Inhaltliche Schwerpunkte: Wirtschaftsgeschichte, deutsche und jüdische Minderheit in Polen, jüdische Grabkunst in Polen, jüdische Gettos der Nationalsozialisten im besetzten Polen, daneben auch Buchveröffentlichungen zur rechnergenerierten Bildverarbeitung. Schreibt für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Frankfurter Jüdischen Nachrichten, The Warsaw Voice und die Wormser Lokalpresse. Buchveröffentlichungen zur deutsch-polnischen Geschichte: Klassenkampf oder Nation? - Die deutsche Sozialdemokratie in Polen 1918-1939, Bundesarchivveröffentlichung Nr. 49, Düsseldorf 1997; Lebn wil ich - Was blieb: Jüdische Friedhöfe in Polen, Darmstadt 1999 (überarb. poln. Ausgabe: Bialystok 2000); zuletzt: Beste Marke - Braun AG. Pfeddersheimer Wirtschaft Damals & Heute, Worms und Bialystok 2004. Weitere Informationen auch unter: www.petrablachetta.de

Tagungsbericht (AHF-Information Nr. 066 vom 28.06.2005 - PDF-Datei)
Webgalerie mit Fotos von Veranstaltern und Teilnehmern (Fotograf: Jan Brüning)

6. Juni 2005 - Diskussion mit dem Journalisten Gerhard Gnauck über die aktuelle Situation in Warschau

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Treffpunkt Polen”
in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin e.V. und
der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband e.V.
Diskussion mit Gerhard Gnauck über die aktuelle Situation in Warschau am Montag, 6. Juni 2005, 18.00 Uhr, Restaurant “Alte Meierei” im Sorat-Hotel am Spreebogen, Alt-Moabit 99, 10559 Berlin (Tiergarten). Der Eintritt ist frei

Gerhard Gnauck, geb. 1964 in Warschau, wuchs in Wiesbaden auf und studierte in Mainz und Berlin Geschichte, Slawistik und Politikwissenschaft. Ab 1995 arbeitete er als Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Seit 1999 lebt er in Warschau und berichtet für die Tageszeitung “Die Welt” regelmäßig vor allem über Polen, ferner auch über die Ukraine und andere an Polen angrenzende Länder. Auch den Abonnenten der deutschsprachigen Mailingliste POLHIST (moderiert von Dr. Markus Krzoska) ist er als regelmäßiger Absender von geschichtspolitisch relevanten Neuigkeiten aus Polen bekannt. Im vergangenen Jahr veröffentlichte ein Buch mit dem Titel “Syrena auf dem Königsweg. Warschauer Wandlungen”, in welchem er verschiedene Begebenheiten, die er als Korrespondent in Warschau erlebte, festhält. Nach seinem einleitenden Bericht über die aktuelle Lage in Warschau und die aktuelle Beziehung der polnischen Gesellschaft zu ihren Nachbarn in Europa freuen wir uns auf eine lebendige Diskussion mit Gerhard Gnauck und laden alle herzlich ein, daran teilzunehmen.

18. November 2004 - Förderung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt im Rahmen der Europäischen Integration

Leonardo da Vinci Mobilität

Inhalt

Deutsch-polnisches Austauschprojekt

Dauer: 2 Wochen
Veranstaltungstermine: 18.11.-11.12.04 (1. Fluss), 03.04.-16.04.05 (2. Fluss)
Veranstaltungsort: Poznan und Umgebung (Polen)
Teilnehmerzahl: 15 Personen aus Deutschland

Zielgruppe

Deutsche Lehrkräfte und Spezialisten im Bereich der Berufs- und Weiterbildung sowie deutsche Unternehmer aus verschiedenen Branchen. Mit dem zweiwöchigen deutsch-polnischen Austauschprojekt soll der Zugang zur transnationalen beruflichen Bildung verbessert werden insbesondere für

  1. Führungskräfte und Beschäftigte kleiner Unternehmen, die Geschäftskontakte in Polen aufnehmen und technische Innovationen in ihren Unternehmen einführen wollen,
  2. Spezialisten und Verantwortliche für die Berufs- und Weiterbildung, insbesondere auch freiberufliche Dozenten im Bereich der beruflichen Bildung und Weiterbildung,
  3. von Arbeitslosigkeit bedrohte Führungskräfte und Beschäftigte mit langjähriger Berufserfahrung sowie sowie von Arbeitslosigkeit bedrohte freiberufliche Dozenten mit langjähriger Berufserfahrung.

Ziele und Inhalte des Austausches

Das zentrale Ziel der Austauschmaßnahme ist die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt durch Weiterbildung im Hinblick auf den EU-Beitritt Polens. Das Projekt dient zur Anpassung an den nach Osten hin erweiterten europäischen Markt. Es zielt im Sinne des europäischen Aktionsprogramms Leonardo da Vinci im Bereich der beruflichen Bildung auf die lebenslange Entwicklung von Kompetenzen und Qualifikationen unter besonderer Berücksichtigung der Chancengleichheit im Zusammenhang mit den neuen Technologien.

Im Rahmen der Austauschmaßnahme sollen die Kontakte zwischen den deutschen und polnischen Unternehmen verbessert werden, um transnationale Kooperationsmöglichkeiten zu sondieren und um die Konkurenzfähigkeit in Europa zu steigern. Im Mittelpunkt steht die neue europäische Dimension beruflicher Bildung: Das Projekt soll den Transfer europäischer Ideen und Erfahrungen anregen und unterstützen, um die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt der erweiterten EU zu fördern. Die deutsch-polnische Zusammenarbeit im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen soll durch eine Verbesserung der Kommunikation unter besonderer Berücksichtigung landesspezifischer und regionaler Unterschiede verbessert werden. Die Zielsetzungen des Projekts sind:

  1. Die Steigerung der Kommunikationsfähigkeit zwischen Partnern innerhalb Europas,
  2. Die bestmögliche Ausnutzung der Produktionsmöglichkeiten bzw. Dienstleistungen auf dem europäischen Markt,
  3. Die Unterstützung und Stärkung des wirtschaftlichen Austausches zwischen den KMU’s in Deutschland und Polen unter dem Aspekt Osterweiterung der EU,
  4. Der Technologietransfer als deutsch-polnischer Informationsaustausch zur Übertragung technologischer Erkenntnisse in die Praxis und zur Anregung praxisrelevanter Forschungen.

Die deutschen Teilnehmer werden im Rahmen dieser Austauschmaßnahmen während eines zweiwöchigen Aufenthaltes in Polen über den aktuellen Stand der Wirtschaft in Polen und über die Veränderungen in den letzten Jahren informiert. Das Technik- und Handelsbüro Elpros in Suchy Las bei Poznan in Polen hat sich als Projektpartner bereit erklärt, die Planung des Worksshops für die deutschen Teilnehmer im Rahmen des Austausches zu übernehmen und die deutschen Teilnehmer während dieser Zeit zu betreuen.

Die deutschen Teilnehmer werden während des Aufenthalts in Polen durch Betriebsbesichtigungen und Gespräche mit polnischen Unternehmern mit der Realität der polnischenden Firmen und des Marktes in Polen konfrontiert. Der Erfahrungsaustausch zwischen deutschen und polnischen Fachleuten soll dazu beitragen, das vorhandene technische Wissen optimal zu nutzen und den Technologietransfer innerhalb Europas zu verbessern. Thematisiert werden sollen dabei auch die neuen Grundfertigkeiten wie IT-Kenntnisse, Fremdsprachen, Kultur der neuen Technologien, Unternehmensgeist und soziale Fähigkeiten.
Das Projekt verlangt Initiative und Engagement von den Teilnehmern, um sowohl selbstständig wie auch im Team nach neuen Alternativen zu suchen, was man in der Aus- und Weiterbildung im Hinblick auf deutsch-polnische Kooperationen im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen verbessern könnte. Während des Austauschprojekts sollen gemeinsam Strategien entwickelt werden, wie man mit innovativen Beratungspraktiken

  1. lebenslanges Lernen auch transnational verwirklichen kann,
  2. den Zugang zur transnationalen Weiterbildung verbessert und
  3. den Beitrag der Berufsbildung zum Innovationsprozeß stärkt.

Den Teilnehmern entstehen keine Kosten für Unterkunft, Verpflegung und das zu der Austauschmaßnahme gehörige Veranstaltungsprogramm in Polen; diese Kosten werden durch ein Stipendium des Europäischen Aktionsprogramms Leonardo da Vinci abgedeckt. Bewilligt ist auch ein Reisekostenzuschuss.
Die Teilnehmer sind verpflichtet, einen Bericht über den Austausch zu schreiben.

Interessierte aus den genannten Zielgruppen können sich per e-mail bei unserer Projektmanagerin um eine Teilnahme zu bewerben.

Kontakt: eu-projektmanagement@dp-ag.org

Im Rahmen des Austauschprojekts fand am 9. April 2005 in Poznan eine Konferenz in polnischer Sprache zum Thema “Integration in die Europäische Union - Neue Chancen zur Expansion auf den EU-Märkten im Rahmen des Leonardo da Vinci-Förderprogramms”.

Die Bedeutung des Leonardo da Vinci Programms für den Prozess des lebenslangen Lernens und der Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit

Vortrag von Dipl.-Ing. Gabi Malczewski am 9. April 2005 auf der im Rahmen des Austauschprojekts “Förderung der Wettbewerbsfähigkeit” veranstalteten Konferenz in Poznan.

Das Leonardo da Vinci Programm ist für Ausbildungseinrichtungen, Unternehmen, Berufsverbände, Sozialpartner, Gebietskörperschaften gemeinnützige Organisationen, und ehrenamtliche Einrichtungen sowie Nichtregierungsorganisationen (NRO) vorgesehen.

Mein Vortrag beschäftigt sich mit dem Aspekt der Nutzung Europäischer Fonds zur Verbesserung der Organisationsstrukturen im eigenen Unternehmen und mit den damit verbundenen Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit.

Inhalt des Vortrags:

Die Wahl der internationalen Partner
Eine der Förderbedingungen ist die Teilnahme von zwei oder drei Partnern. Während der Projektdurchführung soll so der Erfahrungs- und Ideenaustausch mit Partnern aus anderen Ländern gewährleistet werden. Diese Bedingung, die auf den ersten Blick eine Erschwernis zu sein scheint, schafft für alle Akteure eine weitere Möglichkeit, sich auf internationaler Ebene kennen zu lernen, Ideen auszutauschen und zu kooperieren.

Die Bedeutung des Leonardo da Vinci Programms für kleine und mittlere Unternehmen
Das Programm ermöglicht es vor allem, sich international zu präsentieren und die Arbeitsmethoden anderer kennen zu lernen. In Polen gibt es im Unterschied zu anderen EU-Programmen gute Vorrausetzungen für eine Zusammenarbeit, weil die geförderten Maßnahmen vorfinanziert werden (was vor allem für die KMU`s und Verbände sehr wichtig ist).

Möglichkeiten des LdV Programms

  • das Kennenlernen wirtschaftlicher, kultureller sowie sozialer Realien der EU-Länder im Rahmen von Studienreisen
  • das Kennenlernen der Arbeits- und Wettbewerbsmethoden von anderen Unternehmen sowie des landespezifischen Businessverhaltens (wichtige Erfahrungen für die zukünftige Zusammenarbeit)
  • Zusammenarbeit mit evtl. Kooperationspartnern; Marktexpansion
  • Implementieren neuer Technologien
  • Einführen neuer und modernisierter Produkte
  • Verwirklichen politischer und sozialer Ziele
  • Offerieren neuer Dienstleistungen
  • Erproben und Durchführen von Pilotprojekten
  • internationale Weiterbildungs- sowie Erfahrungsmöglichkeiten

Die Bedeutung der Zusammenarbeit ausländischer Partner mit Consultingsunternehmen

  • Erleichterung des Erschließens neuer Absatzmärkte
  • Berücksichtigung der Wünsche und Beschwerden ausländischer Kunden
  • Sprachliche und Internationale Professionalität und die damit verbundene Landesspezifische Erfahrung
  • Zusammenarbeit mit Beratungs- und Vermittlungsunternehmen, die beide Kultur- und Wirtschaftsgebiete kennen und eine gute Erfahrung mit EU-Fonds haben (darunter Leonardo da Vinci Programm) kann den Prozess der Anpassung aller EU-Mitglieder erleichtern sowie neue Ideen entstehen lassen.

Informationen und Materialien zur Realität der polnischenden Firmen und des Marktes in Polen

EU-LdV-Mobilität - Austauschprojekt “Förderung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt im Rahmen der Europäischen Integration”

Im Behandelt werden u.a. folgende Themen:

  • E-Business & Information Technology
  • E-Marketing
  • Vorschriften für den Ex- und Import und Zölle
  • Privatisierung und Kapitalmärkte
  • Gewerbliche Formen in Geschäftsleben und Gründung einer Gesellschaft
  • Wettbewerb und Verbraucherschutz
  • Buchführung und Rechnungsprüfung
  • Personalverwaltung
  • Existenzgründungsstrategien

ALLGEMEINE INFORMATIONEN ZUR WIRTSCHAFT IN POLEN

  1. Übersichten
  2. Der einzelne Betrieb
  3. Steuern

Diese Informationen wurden für Sie zusammen gestellt von Margarete Belski

INFORMATIONEN DER DEUTSCHEN INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMERN

  • IHK Berlin: Informationen zur Existenzgründung in Deutschland, zum Gewerberecht, zum Import von Waren nach Deutschland
  • IHK Stuttgart: Informationen zur Existenzgründung in Deutschland, zur Unternehmensbesteuerung, zu verschiedenen unternehmensrechtlichen Fragen
  • IHK Frankfurt am Main: Informationen zu Geschäften mit dem Ausland, und zum internationalen Steuerrecht
  • IHK Frankfurt an der Oder: Informationen zum EU-Beitritt Polens und zur Unternehmensgründung und Unternehmensbesteuerung in Polen

FIRMENKONTAKTE (Auswahl von Unternehmen mit Website)

BRANCHENÜBERSICHTEN:

17. November 2004 - Vortrag Dr. Maria Rutowska

Zeitgeschichtlicher Vortrag und Diskussionsforum in Berlin mit Dr. Maria Rutowska, Poznan, über die Vertreibung der polnischen Bevölkerung aus dem Reichsgau Wartheland in das Generalgouvernement 1939-1941. Polnischsprachiger Vortrag mit deutscher Übersetzung (Elzbieta Blumenbach)

In Zusammenarbeit mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin und der Stiftung Haus der Demokratie

D-RutowskaUnter nationalsozialistischer Herrschaft wurden im deutsch besetzten Westen Polens 1939-45 Hunderttausende Polen und Juden aus ihren Wohnungen, Häusern und Höfen vertrieben, entschädigungslos enteignet und deportiert. Sowohl die Deportationen der Juden wie auch die der Polen waren in Berlin zentral geplant worden. Die polnische Zeithistorikerin Maria Rutowska berichtet über diese Vertreibungen. Sie befaßt sich seit Mitte der 1980er Jahre mit der nationalsozialistischen Besatzungszeit in Westpolen während des Zweiten Weltkriegs und publizierte letztes Jahr ein Buch zu diesem Thema.

Veranstaltungsort: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Berlin, Greifswalder Str. 4, Robert-Havemann-Saal

B-Rutowska

Hier folgt die deutschsprachige Zusammenfassung der polnischsprachigen Publikation:

Maria Rutowska, Wysiedlenia ludnosci polskiej
z Kraju Warty do Generalnego Gubernatorstwa 1939 - 1941
(Prace Instytutu Zachodniego Nr. 71).
Instytut Zachodni, Poznan 2003.
ISBN 83-87688-42-8.
238 Seiten und 62 Seiten Anhang
PLN 45,00

Nach Angaben der Autorin ist die erste Auflage vergriffen. (November 2004)

Das Grundziel der Nazi-Ideologie, das dann auch in der Politik des Dritten Reiches gegenüber Osteuropa verfolgt wurde, war die Einbeziehung dieser Gebiete in den deutschen “Lebensraum” und deren “Germanisierung”. Das bedeutete, dass die “fremden” Völker von dort entfernt und ausgewählte Deutsche dort angesiedelt werden sollten. Zu den effektivsten Maßnahmen zur Realisierung der nationalsozialistischen Expansionspolitik in den besetzten polnischen Gebieten zählte die Zwangsaussiedlung der einheimischen Bevölkerung, die mit wachsendem Nachdruck während der ganzen Dauer des Zweiten Weltkriegs durchgeführt wurde.

Auf der Basis von zwei Verordnungen Hitlers vom 8. und vom 12. Oktober 1939 wurden die im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen besetzten polnischen Gebiete in zwei Teile aufgespalten: Ein Teil wurde in das Reich eingegliedert, der andere erhielt den Status eines Generalgouvernements für die besetzten polnischen Gebiete (GG). In den in das Dritte Reich eingegliederten polnischen Gebieten wurde erstmalig die Konzeption der “Germanisierung” verwirklicht. Dieses wichtige Ziel der deutschen Kolonisationspolitik wurde am weitreichendsten im “Reichsgau Wartheland” verwirklicht, der vollständig aus besetzten polnischen Gebieten gebildet worden war. Die Entfernung der “fremdvölkischen” polnischen Bewohner sollte vor allem durch Aussiedlungsmaßnahmen verwirklicht werden. Von Dezember 1939 bis Mitte März 1941 waren davon mehr als 280 000 Polen und Juden betroffen; das waren mehr als 76 % der insgesamt 365 000 Menschen aus den in das Reich eingegliederten polnischen Gebieten.

Mit der Problematik der Planung und Realisierung der deutschen Aussiedlungs- und Kolonialisierungspolitik auf polnischem Boden während der deutschen Besatzung haben sich schon viele Historiker, Juristen, Ökonomen und Vertreter anderer wissenschaftlicher Disziplinen beschäftigt. Davon zeugt die inzwischen veröffentlichte reichhaltige Quellen- und Forschungsliteratur. In diesen Arbeiten werden eigentlich alle Aus- und Umsiedlungsformen beschrieben, die die deutsche Besatzungsmacht gegenüber der polnischen Bevölkerung während des Krieges angewandt hat; es fehlte jedoch bisher eine zusammenfassende Untersuchung der Aussiedlung der Polen aus den in das Reich eingegliederten polnischen Territorien in das Generalgouvernement, die sowohl quantitativ als auch qualitativ eine eigenständige Kategorie darstellt. Denn in das GG wurden von 1939 bis 1941 in organisierten Aktionen etwa 365 000 Personen umgesiedelt, die von der Besatzungsmacht genau definierten Bevölkerungsgruppen angehörten. Für die Durchführung der Aussiedlungen wurden besondere Institutionen geschaffen und eigene Vorschriften und Verfügungen über die anzuwendenden Methoden ausgearbeitet sowie bestimmte Polizeieinheiten eingesetzt.

Die Untersuchung gliedert sich in fünf Teile, die folgende Themen behandeln: Die Aus- und Umsiedlungsaktionen auf den besetzten polnischen Territorien in den Jahren 1939 bis 1945; die Pläne und der Umfang der Aussiedlungen aus dem Warthegau in das Generalgouvernement 1939 bis 1941; die Organisation und die Durchführungsformen der Aussiedlungen; die Umsiedlerlager in Großpolen (Wielkopolska) sowie die Organisation und der Verlauf der Transporte. Neben der schon vorhandenen Literatur und den veröffentlichten Dokumenten stützt sich die Arbeit vor allem auf die Akten des “Chefs der Sicherheitspolizei und der Umwandererzentralstelle Posen”. Ferner wurden andere deutsche Dokumente über die Aussiedlungen hinzugezogen, darunter die Transportlisten der ausgesiedelten Polen, die in verschiedenen Archiven lagern. Genutzt wurden auch die Akten über die von der “Kreiskommission zur Untersuchung der Verbrechen gegen das polnische Volk” des Instituts des Nationalen Gedenkens in Poznan durchgeführten Verfahren mit den persönlichen Bekundungen, Berichten und Erinnerungen der von den Aussiedlungen betroffenen Personen; denn sie enthalten eine Menge Fakten, enthüllen die verschiedenen Vorgehensweisen der Besatzungsmacht und zeigen, wie die polnische Bevölkerung darauf reagiert hat.

Die Durchführung der “Volkstumspolitik” in den dem Deutschen Reich einverleibten Gebieten wurde dem Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler, übertragen, der mit der Verordnung vom 7. Oktober 1939 zum “Reichskommissar für die Festigung des Deutschen Volkstums” (RKFDV) ernannt worden war. Er erließ am 30. Oktober 1939 eine Verfügung über den Beginn der Aussiedlung der polnischen Bevölkerung. Den Auftrag für deren Durchführung auf den verschiedenen dem Reich eingegliederten und dem GG angeschlossenen Gebieten erhielten die Inspektoren der Sicherheitspolizei (Sipo) und des Sicherheitsdienstes (SD). Unmittelbar beteiligt an den Aktionen waren Gendarmerie, Schutzpolizei, Selbstschutz sowie SA- und SS-Einheiten. Für die Durchführung der Umsiedlungsaktionen wurden besondere Behörden eingerichtet, an deren Spitze Funktionäre des Sicherheitsdienstes (SD) standen. Deren Bezeichnungen wurden verschiedentlich verändert - von anfangs “Stab für die Evakuierung und den Abtransport der Polen und Juden in das Generalgouvernement” zu “Sonderstab für die Aussiedlung der Polen und Juden”, “Umwanderungsstelle” und ab April 1940 zu “Umwandererzentralstelle” (UWZ).

Die Aussiedlung der polnischen Bevölkerung aus dem Warthegau in das GG vollzog sich in verschiedenen Etappen. Der “Erste Nahplan” wurde von Anfang November bis zum 17. Dezember 1939 ausgeführt. In diesem Zeitraum wurden aus dem Gebiet 87 883 Personen, zumeist Polen, deportiert. Im Rahmen des darauf folgenden “Zwischenplans” wurden vom 10. Februar bis zum 15. März 1940 aus diesem Gebiet 40 128 Polen ausgesiedelt, darunter 13 304 Personen aus der Stadt und dem Kreis Posen. Die höchste Zahl erreichten die Aussiedlungen in das GG mit 121 594 Personen infolge des nächsten Plans (”Zweiter Nahplan”). Er wurde von Mai 1940 bis zum 20. Januar 1941 durchgeführt. Außerdem wurden bis zum 15. März 1941 aus dem Warthegau weitere 19 226 Personen in das GG ausgesiedelt. Insgesamt betrug damit die Zahl der von November 1939 bis März 1941 aus dem Warthegau ins GG Ausgesiedelten nach zeitgenössischen deutschen Angaben 280 606 Personen.

Der Auswahl der für die Aussiedlung bestimmten Polen richtete sich u.a. nach folgenden Kriterien: eine politische und gesellschaftliche Aktivität sowie ggf. Voraussetzungen für eine führende Rolle in der konspirativen Tätigkeit der polnischen Unabhängigkeitsbewegung, Zugehörigkeit zur polnischen Intelligenz, der Besitz größeren Vermögens und der Wohnsitz. Oft spielte auch eine ablehnende Haltung ortsansässiger Deutscher gegenüber bestimmten Polen eine Rolle.

Die einzelnen Aussiedlungsaktionen der polnischen Bevölkerung begannen damit, dass die jeweiligen Ortschaften oder in den Städten ganze Stadtviertel oder Straßen von starken Polizeikordons umstellt wurden. Dies geschah meist in den späten Abendstunden oder frühmorgens. Auf diese Weise wollte man die Aussiedler zu Hause antreffen, überraschen und zugleich eine frühzeitige Vorbereitung auf die “Evakuierung” verhindern. Zum Packen der zur Mitnahme erlaubten Dinge wurde meist nur eine halbe Stunde Zeit gelassen, selten mehr. Gestattet wurde die Mitnahme von Handgepäck, das in der ersten Phase der Umsiedlung pro Erwachsenen12 kg und vom Frühjahr 1940 an 25 oder 30 kg nicht überschreiten durfte. Für Kinder galt die Hälfte des Gewichts. Mitgenommen werden durften: warme Kleidung, Decken, Trink- und Essgefäße, Lebensmittel für einige Tage und Dokumente. Die Polen durften von ihrem Geld 200 Zl.., Juden nur 50 Zl. pro Person mitnehmen. Vom 11. Dezember an betrug die Obergrenze für Polen 100 Zl. Später wurde diese Quote für Polen auf 50 RM, für Juden auf 25 RM festgesetzt. Darüber hinaus gehende Summen und Eigentum wurden konfisziert - einschließlich aller Wertgegenstände wie Schmuck (mit Ausnahme von Eheringen). Eine besondere Härte für die polnischen Aussiedler stellten die Durchsuchungen dar, die mit außerordentlicher Rücksichtslosigkeit vorgenommen wurden. Mit den polnischen Aussiedlern ging man ohne Rücksicht auf Gesundheit und Alter brutal um; wenn Widerstand geleistet wurde, wurde Waffengewalt eingesetzt. Die Aussiedler mussten zu Fuß zu den Sammelstellen oder zu den Transportwagen gehen oder wurden dorthin gefahren. Ein Teil von ihnen wurde nach dem Abtransport zum Bahnhof sofort ins GG verfrachtet.

Die ausgesiedelten Polen wurden jeder Widerstandsmöglichkeit oder Weigerung, ihren bisherigen Wohnsitz zu verlassen, beraubt. Ihnen wurden keinerlei Rechte zugestanden, aufgrund derer die Besatzer eine Entscheidung zur Zwangsaussiedlung oder zur Enteignung hätten zurücknehmen können.

Ein Teil der ausgesiedelten Polen und Juden wurde sofort ins GG verbracht;die übrigen wurden vor der endgültigen Deportation in besonders eingerichteten Umsiedlungslagern untergebracht. In der Anfangsphase wurden diese in allen Gebietsabschnitten der annektierten Gebiete eingerichtet; aber nach der Schaffung der UWZ wurden alle Aussiedler vor der endgültigen Abschiebung ins GG in einigen großen Umsiedlerlagern in Lódz untergebracht. Angesichts der schon vorhandenen Untersuchungen wurde in der vorliegenden Arbeit auf eine Beschreibung der Lager in Lódz verzichtet. Dafür wurden einige Lager auf dem Gebiet Großpolens (Wielkopolska) in den Jahren 1939/40 behandelt; das im neuen Warthegau am stärksten von den Aussiedlungen betroffen war.

Das Hauptdurchgangslager wurde im November 1939 in Posen, im Stadtteil Glówna, eingerichtet, von wo aus bis zum 20.Mai 1940 insgesamt 32 986 Personen ins GG verbracht wurden. Unter diesen waren 31 424 Polen, 1 112 Juden und 450 Zigeuner. Die überwiegende Zahl der Aussiedler, etwa 25 000, waren Bewohner der Stadt und des Kreises Poznan. Außerdem wurden von diesem Lager aus Bewohner anderer Ortschaften Großpolens ins GG verbracht.
In dem untersuchten Gebiet wurden außerdem Lager in folgenden Ortschaften eingerichtet: in Cerekwica, Kreis Jarocin (Internierungslager Zerkheim), in Dobrzyca, Kreis Krotoszyn (Lager Dobberschütz), in Gniezno (Durchgangslager Gnesen), in Kowanówko und Bablin, Kreis Oborniki (die Lager Südhof, Gratz, Warthegau), in Nowe Skalmierzyce, Kreis Ostrów Wielkopolski (Lager Skalmierschütz, später Neu-Skalden).
Die Lager verfügten nicht über Gebäude, die für das Leben von Menschen für mehrere Tage ausgestattet waren. In allen Aussiedlerlagern herrschten Hunger, Kälte und unvorstellbare sanitäre Verhältnisse. Diese ungewöhnlich schweren Existenzbedingungen führten zu häufigen Erkrankungen, in einigen Fällen mit Todesfolge.
Die ausgesiedelten Polen und Juden wurden in den Lagern meist mehrere Tage oder länger gefangen gehalten und dann per Bahn ins GG transportiert. Dabei wurden sie über alle Maßen eng und unter schlimmsten sanitären Bedingungen, überwiegend in ungeheizten Güterwagen, seltener in Personenwagen, und ohne warme Mahlzeiten zusammengepfercht. Alle diese Umstände führten bei den Transporten zu zahlreichen Todesfällen, vor allem bei kleinen Kindern.

Die in den ersten Kriegsjahren aus dem Warthegau ausgesiedelten Polen wurden ins GG verbracht. Ab 1940 wurde ein Teil der ausgesiedelten Polen auch zur Zwangsarbeit ins Reich entsandt. Als im März 1941 die Aussiedlungen ins GG eingestellt wurden, um die intensive Ansiedlung von Deutschen nicht zu stören, setzten Aktionen innerer Umsiedlung und Vertreibungen von Polen ein. Sie wurden immer häufiger und in immer größerem Umfang mit Verschickung zur Zwangsarbeit ins Reich oder in andere besetzte Länder verbunden. Die Umsiedlungen und Vertreibungen umfassten in den Jahren 1941 bis 1944 über 345 000 Personen. Insgesamt wurden so in den Jahren 1939 bis 1944 625 631 Personen ins GG ausgesiedelt oder umgesiedelt und vertrieben.; im gesamten besetzten Polen erreichte die Zahl fast 839 000 Menschen.

Die in diesem gewaltigen Umfang vorgenommenen Aussiedlungen und die Methoden ihrer Ausführung bewirkten bei den Polen eine gewaltige Erschütterung und hinterließen das Gefühl, grausam behandelt zu werden. Das wurde noch dadurch verschärft, dass sie eine gewalttätige Vertreibung ganzer Familien aus den Häusern und Wohnungen und den Raub ihrer Habe bis dahin nicht gekannt hatten. Denn damit diskriminierten die nationalsozialistischen Okkupanten die polnische Bevölkerung.

Weiterführende Links:

Call for Papers: Wissenschaftliche Abschlussarbeiten zu den deutsch-polnischen Beziehungen

Am 1. Mai 2004 ist Polen der EU beigetreten. Und kaum jemand hat eine Übersicht darüber, wieviel an den deutschen Hochschulen zu den deutsch-polnischen Beziehungen geforscht und gearbeitet wird. Oftmals verschwinden Hauptseminararbeiten und wissenschaftliche Abschlußarbeiten in irgendwelchen Schubladen und staubigen Regalen. Wir möchten das an den Hochschulen im Rahmen eines Studiums erarbeitete Wissen zu den deutsch-polnischen Beziehungen öffentlicher machen - durch die Möglichkeit zur Internetpräsentation eigener wissenschaftlicher Arbeiten. So soll das ein bißchen ans Licht der Öffentlichkeit gebracht werden, was in den Schubladen oder Regalen zu verstauben droht. Genau dieses Wissen brauchen wir, um die Kommunikation mit unseren polnischen Nachbarn zu fördern, zu intensivieren und zu verbessern.Studierende und Graduierte aus allen Fächern, die ihre wissenschaftlichen Arbeiten zu den deutsch-polnischen Beziehungen vorstellen möchten, sind herzlich dazu eingeladen, eine Textdatei mit einer Zusammenfassung oder dem Volltext ihrer Arbeit an uns zu senden. Wir stellen den Text dann kostenlos als pdf-Datei auf unsere Internetseiten.

Wir sind gespannt auf Eure Einsendungen! E-mail: kontakt@dp-ag.org

Es wurden folgende Texte eingereicht:

17.-18. Mai 2003 - Fotografien als historische Quellen zu den deutsch-polnischen Beziehungen 1939-1945

In Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften haben wir eine Tagung zum Thema “Fotografien als historische Quellen zu den deutsch-polnischen Beziehungen 1939-1945” durchgeführt.

Mit dem Ziel, von verschiedenen Ausgangspunkten fotografische Überlieferungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs zu diskutieren, trafen sich auf der Konferenz in Berlin-Pankow Historikerinnen und Historiker, Archivarinnen und Archivare, Publizistinnen und Publizisten, Dokumentarinnen und Dokumentare sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Geschichtswerkstätten und Museen aus Deutschland, Österreich und Polen zum Erfahrungsaustausch. Durchgeführt wurde die Tagung von der Deutsch-Polnischen Akademischen Gesellschaft e.V. in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Die wissenschaftliche Leiterin der Veranstaltung war Miriam Arani von der Deutsch-Polnischen Akademischen Gesellschaft e.V.
Im ersten Teil der Veranstaltung wurden allgemeine Problemstellungen und Lösungsansätze bei der Archivierung, Beschriftung, Analyse und Interpretation von fotografischen Quellen diskutiert. Im zweiten Teil lag der Schwerpunkt auf Fotoaufnahmen zu den deutsch-polnischen Beziehungen 1939-45.

Die Vorträge

  • Dr. Bernd Boll (Freiburg): Zur Überlieferung von deutschen Amateurfotografien aus dem Zweiten Weltkrieg
  • Dr. Elisabeth Klamper (Wien): Fotografische Quellen im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW).
    Zur Sammlungsgeschichte und den Angriffen auf fotgrafische Quellen aus dem Archiv im Zusammenhang mit der “Wehrmachtsausstellung”
  • Dr. Piotr Swiatek (Köln): Zur Überprüfung der Authentizität von Fotografien mit modernen Bildverarbeitungsmethoden
  • Klaus Hesse M.A. (Berlin): Fotografien der öffentlichen Demütigung von sog. Rasseschändern in verschiedenen deutschen Archiven
  • Miriam Yegane Arani M.A .(Berlin): Fotografien aus dem besetzten Warschau 1939-42. Skizze zu den Entstehungszusammenhängen der
    fotografischen Quellen und zu einigen wichtigen Bildthemen im Vergleich
  • Dr. Danuta Jackiewicz (Warschau): Polnische Bildbände der Nachkriegszeit über die nationalsozialistische Besatzungszeit 1939-45

Dr. Bernd Boll (Freiburg):Zur Überlieferung von deutschen Amateurfotografien aus dem Zweiten Weltkrieg

Der einleitende Vortrag von Bernd Boll widmete sich den Problemen der Überlieferung von deutschen Amateurfotografien aus dem Zweiten Weltkrieg. Da das Fotografieren in den 1930er Jahren eine beliebte Freizeitbeschäftigung vor allem junger Männer war, schätzt man, dass der Anteil der kamerabesitzenden Wehrmachtssoldaten über 10 % lag. Unter ihnen entwickelte sich eine Jagd nach Fotos als Zeitdokument und Trophäe und informelle Strukturen zur Verbreitung von Fotos innerhalb der Truppe. Ein Teil der Fotoaufnahmen, welche die Soldaten gewöhnlich in der Brieftasche bei trugen, gelangte nach ihrer Gefangennahme oder ihrem Tod in die Hände der Alliierten und wurden nach Kriegsende als Beweismaterial bei der Strafverfolgung benutzt. Private Fotos der zurückgekehrten Wehrmachtssoldaten wurden nach dem Krieg üblicherweise zu Hause aufbewahrt; Inzwischen dürften sie zu einem großen Teil in den Müll geworfen worden, in Auktionshäuser, auf die Flohmärkte oder in private Sammlungen gelangt sein. Nur in Einzelfällen übergaben Erben die fotografischen Hinterlassenschaften an Archive.
Innerhalb der Archive werden die privaten Fotografien nicht nach dem Provenienzprinzip inventarisiert, sondern zum Teil nach Provenienz, nach Sachthemen, Personen, geographischen Gebieten oder chronologischen Ordnungsprinzipien aufbewahrt. Aufgrund des chaotischen Überlieferungskontinuums sind die Entstehungs- und Überlieferungsgeschichten der in den öffentlichen Einrichtungen verwahrten privaten Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg oftmals nicht leicht zu bestimmen. Mehrfachabzüge, Reproduktionen (darunter seitenverkehrte Abzüge und verkleinerte Bildausschnitte), nachträgliche Beschriftungen und falsche Zuordnungen erschweren zusätzlich eine korrekte Einordnung durch Archivare und wissenschaftliche Nutzer.

Veröffentlichung: Bernd Boll, Das Adlerauge des Soldaten. Zur Fotopraxis deutscher Amateure im Zweiten Weltkrieg, Fotogeschichte, Heft 85/86, 2002, S. 75-87

Dr. Elisabeth Klamper (Wien): Fotografische Quellen im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW). Zur Sammlungsgeschichte und den Angriffen auf fotografische Quellen aus dem Archiv im Zusammenhang mit der “Wehrmachtsausstellung”

Elisabeth Klamper vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) referierte über die Problematik der fotografischen Quellen im DÖW. Das Archiv verfügt über 40 000 Fotos, die nach und nach digitalisiert werden und Nutzern zur Verfügung stehen. Erst nach den Diskussionen um die Fotos der ”Wehrmachtsausstellung”, von welchen ein Teil aus den Beständen des DÖW stammte, begannen innerhalb des Archivs Diskussionen über den Umgang mit Fotos als historische Quellen. Bis dahin waren Fotografien ausschließlich als Illustration verwendet worden; nach der Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte der Bildquellen wurde nicht gefragt. Die Fotografien wurden oftmals anonym im Archiv abgegeben und nicht angemessen archivalisch erschlossen. In vielen Fällen lässt sich nicht mehr feststellen, wann und wie einzelne Fotos in das Archiv gelangt sind. Für eine sachlich korrekte Inventarisierung und Bearbeitung der fotografischen Quellen fehlt es an Personal; eine spezielle Ausbildung zum Umgang mit Fotos besitzen die Mitarbeiter des Archivs nicht.

SS-Morde in der UdSSR

Foto eines unbekannten Fotografen, “SS-Morde in der UdSSR” (ehemalige Beschriftung DÖW), Silbergelantineabzug 8,5 : 6 cm. DÖW Fotosammlung Inv.Nr. 3035a.

Eines der umstrittenen Fotos aus dem DÖW, welches in der Ausstellung “Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944″ zu sehen war. Im Zusammenhang der Kontroversen um die Ausstellung wurde behauptet, es handele sich auch bei diesem Foto um eine Fälschung. Dies konnte durch den Vergleich mit weiteren Aufnahmen von dieser Exekution, welche sich in Hamburg, Berlin und Warschau befinden, widerlegt werden: Es handelt sich um die Aufnahme aus dem damals deutsch besetzten Polen und zeigt die Opfer einer am 11.11.1939 von deutschen Polizeikräften in Lodz (”Litzmannstadt”) öffentlich durchgeführten Erhängung am 9.11.1939 (Datierung nach Hanno Loewy (Red.), “Unser einziger Weg ist Arbeit”. Das Getto in Lodz 1940-1944. Ausstellungsatalog des Jüdischen Museums Frankfurt am Main. Wien 1990, S. 148 und 277).
Ausführlicher: Miriam Y. Arani, “Und an den Fotos entzündete sich die Kritik”. Die “Wehrmachtsausstellung”, ihre Kritiker und die Neukonzeption. Ein Beitrag aus fotohistorisch-quellenkritischer Sicht. Fotogeschichte Heft 85/86 (2002),S. 105-112. (im Internet als PDF-Datei)

Dr. Piotr Swiatek (Köln): Zur Überprüfung der Authentizität von Fotografien mit modernen Bildverarbeitungsmethoden.

Dr. Piotr Swiatek von der Deutschen Gesellschaft für Photographie, Sektion Wissenschaft und Technik stellte neue Methoden zur Überprüfung der Authentizität von Fotografien mit modernen Bildbearbeitungsmethoden vor. Günstig für den Bearbeitungszeitraum Zweiter Weltkrieg sei im Unterschied zu den Bildern des digitalen Zeitalters die Tatsache, dass überwiegend ungefälschte Bildquellen auf einem materiellen Träger vorhanden sind. Generell ist es mit modernen Bildbearbeitungsmethoden nur möglich, eine Fälschung nachzuweisen, nicht aber die Authentizität einer Fotografie. Gewöhnliche Scanner mit 2400 dpi ermöglichen heutzutage eine Detailwiedergabe, die zur Bildanalyse ausreichend sind. So ermögliche die Fourieranalyse es festzustellen, ob zwei Fotos mit durchaus unterschiedlichen Ansichten zur gleichen Charge gehören oder nicht. Dies kann bei der historischen Einordnung von Fotos von Nutzen sein, da oftmals Unsicherheiten über die Zusammengehörigkeit von fotografischen Aufnahmen bestehen. Ferner existieren Verfahren zur Suche nach einzelnen Motiven, die zur schnelleren Sichtung und Sortierung von Fotomaterial eingesetzt werden können. Wasserzeichen können Fotografien im Internet vor einer unerlaubten Printweiterverarbeitung schützen, nicht aber vor einer weitergehenden Nutzung des Fotos im Netz.
Eine Zusammenfassung des Vortrags von Dr. Piotr Swiatek ist im Internet als PDF-Datei abrufbar.

Klaus Hesse (Berlin): Fotografien der öffentlichen Demütigung von sog. Rasseschändern in verschiedenen deutschen Archiven

Klaus Hesse von der Stiftung Topographie des Terrors besprach in seinem Vortrag Fotografien öffentlicher Demütigungen von sogenannten ”Rasseschändern”. Es handelte sich um Fotoaufnahmen, die dokumentieren, wie deutsche Frauen wegen ihrer Liebesverhältnisse mit ausländischen Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeitern vor allem in den Jahren 1940/ 41 in öffentlichen Machtdemonstrationen der lokalen Partei- und SS-Funktionäre öffentlich gedemütigt wurden. Die Aufnahmen zeigen an mittelalterliche Rituale erinnernde Spektakel vor den Augen einer lokalen Öffentlichkeit: den Frauen wurden “vor aller Augen” die Haare geschoren und sie wurden mit Schildern um den Hals durch die Stadt getrieben. Die besprochenen Fotos wurden aus den Beständen vieler kleiner lokaler Archive, vor allem in Südwestdeutschland, Sachsen und Thüringen, zusammen getragen und sind bisher nur im lokalen Rahmen veröffentlicht worden. Der Referent lenkte die Aufmerksamkeit insbesondere auf die detaillierte fotografische Protokollierung der Gestik und Mimik des Publikums bei diesen öffentlichen Demütigungen: Welche Auskunft geben die fotografischen Quellen über Zustimmung und Scham der einzelnen Menschen im Publikum? Die präsentierten Fotoaufnahmen dokumentierten sehr unterschiedliche Reaktionen von ausgelassener Freude bis hin zu ernster Anspannung in den Minen des Zuschauer. Zu berücksichtigen sei auch, dass nur ein Teil der örtlichen Bevölkerung solchen öffentlichen Demütigungen beiwohnte.

Veröffentlichung: Klaus Hesse, Philipp Springer, Vor aller Augen. Fotodokumente des nationalsozialistischen Terrors in der Provinz. Berlin 2002. S. 117-134.

Miriam Yegane Arani (Berlin): Fotografien aus dem besetzten Warschau 1939-42. Skizze zu den Entstehungszusammenhängen der fotografischen Quellen und zu einigen wichtigen Bildthemen im Vergleich

Miriam Arani skizzierte die unterschiedlichen Entstehungszusammenhänge der fotografischen Quellen und verglich einige wichtige Bildthemen des publizierten Bildmaterials. So sollten ab Herbst 1939 die Aufnahmen der Propagandakompanien der deutschen Wehrmacht vor allem bestehende Vorurteile über Polen verstärken und keine Sympathien für die militärisch Angegriffenen wecken (etwa durch das Zeigen von Leiden der Bevölkerung). Der Terror gegen die polnische Zivilbevölkerung ist überwiegend durch Fotoaufnahmen von den damals vor Ort befindlichen deutschen Polizeikräften dokumentiert.. Ein anderes Bild vom besetzten Warschau als die offiziellen deutschen Pressefotografien vermitteln auch die Privataufnahmen deutscher Soldaten. Die kleinen polnischen Fotobetriebe in der Stadt arbeiteten auf Anweisung der deutschen Besatzungsbehörden unmittelbar nach der Besetzung der Stadt weiter und stellten häufig heimlich Zweitabzüge der von Deutschen abgegebenen Fotos für den polnischen Widerstand her. In der zweiten Hälfte der Besatzungszeit entstand in Warschau eine systematisch organisierte oppositionelle polnische Dokumentarfotografie. Die Aussageabsichten der verschiedenen Herstellergruppen von Fotoaufnahmen lassen sich besonders deutlich anhand eines Vergleichs ihrer jeweiligen Aufnahmen vom Warschauer Getto unterscheiden. Die Fotos der Propagandakompanie 689 suggerieren ein sicheres und geordnetes Leben der Juden im Getto, sie zeigen würdevolle Beerdigungen auf dem jüdischen Friedhof und eine dekadente, vergnügungssüchtige Gettoelite, die mit Aufnahmen von Armen und Verelendeten im Getto kontrastiert wird. Die privaten Aufnahmen des deutschen Soldaten Heinrich Jöst dagegen zeigen ein völlig anderes Bild von den Verhältnissen im Getto: er protokolliert die große Armut, die Seltenheit von Wohlstand, Formen der Solidarität unter den Gettobewohnern und einen Friedhof, auf welchem die Toten in große Massengräber geworfen werden. Seine Themenwahl weist Parallelen auf zu den überlieferten Fotografien jüdischer Urheber, beispielsweise den im Ringelblum-Archiv überlieferten anonymen Aufnahmen.

Veröffentlichung: Miriam Y. Arani, Aus den Augen, aus dem Sinn? Publizierte Fotografien aus dem besetztem Warschau 1939 bis 1945. In: Fotogeschichte, Teil 1: Heft 65 (1997), S. 33-58; Teil 2: Heft 66 (1997), S. 33-50.

Dr. Danuta Jackiewicz (Warschau): Polnische Bildbände der Nachkriegszeit über die nationalsozialistische Besatzungszeit 1939-45.

Dr. Danuta Jackiewicz, die Leiterin der ikonographischen Sammlungen des Nationalmuseums Warschau und Vorstandsmitglied des Vereins der Fotohistoriker beim Kunstinstitut der Polnischen Akademie der Wissenschaften, referierte über polnische Bildbände der Nachkriegszeit zum Schicksals Warschaus im Zweiten Weltkrieg. Die in Polen veröffentlichten Bildbände behandelten vier Themen: die gesamte Besatzungszeit, das Warschauer Getto, den Warschauer Aufstand von 1944 und Warschau als Trümmerfeld nach dem Aufstand.
Zur gesamten Besatzungszeit liefert neben einigen Erscheinungen aus den 1950er Jahren das reichhaltigste Bildmaterial der 1989 in Warschau erschienene Bildband von Stanislaw Kopf “Lata Okupacji. Kronika fotograficzna walczacej Warszawy” (Die Jahre der Besatzung. Fotografische Chronik des kämpfenden Warschaus). Der Band enthält Fotos aus einschlägigen polnischer Einrichtungen und aus Privatsammlungen. Ein gravierender Mangel der Veröffentlichung sind die fehlenden Autorenverweise, obwohl oftmals die Urheber der Fotografien bekannt sind. Über das Warschauer Ghetto erschien 1963 zum 20. Jahrestag der erste Bildband in Polen, ein weiterer zum 45. Jahrestag 1988. Im Jahr 1997 erschien ein Bildband, der Archivaufnahmen von dem Getto mit aktuellen Fotos dieses Stadtviertels kontrastiert. Zum Warschauer Aufstand von 1944 durften erst nach der politischen ”Tauwetter” im Jahr 1956 Bildbände erscheinen. Bis dahin war das Thema vollständig tabuisiert. 1957 erschienen drei illustrierte Titel zum Thema. Die erste Monographie mit Fotos von Jerzy Tomaszewski, der während Warschauer Aufstands als Untergrundreporter arbeitete, wurde 1979 veröffentlicht (Jerzy Tomaszewski, Epizody Powstania Warszawskiego. Warszawa 1979). In den 1980er Jahren wurde das Thema durch die Solidarnosc-Bewegung endgültig enttabuisiert und weitere Bildbände wurden veröffentlicht.

Anschließende Diskussionen

Schon im Anschluss an die einzelnen Vorträge kam es zu zum Teil recht lebhaften Diskussionen. Kritik rief beispielsweise die Aussage hervor, ein Foto allein spräche nicht und würde nur durch das Wissen um den Kontext zum Sprechen gebracht. Gerade Fotos von Erschießungen, so das Gegenargument, sprächen auch ohne das Wissen um den Kontext auf stark emotionalisierende Weise zum Betrachter. Fotos seien immer Kommunikationsangebote, die auf verschiedenen Verstehensebenen funktionieren. In diesem Zusammenhang sei es wichtig, klare Kategorien zu entwickeln, die zwischen der ”harten” und ”weichen” Information eines Fotos, seiner Konnotation und Denotation unterscheiden und die ”eye-catcher-Wirkung” mit berücksichtigen. Die Diskussion drehte sich auch um die Frage, welche Rolle die Intention des Fotografen bei der Interpretation des Fotos spielt. Können Propagandafotos aus einem völlig anderen Blickwinkel betrachtet, “gegen den Strich gelesen” werden? Resümierend kam man zu dem Schluss, dass die Interpretation eines jeden Fotos allein dem Betrachter überlassen bleibt. Wichtig für die wissenschaftlich fundierte Beurteilung einer fotografischen Quelle sei aber das Wissen um den jeweiligen Entstehungs- und den Verwendungszusammenhang des Bildes. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass eine zu schnelle und unkritische Einordnung von Fotos häufig bei sogenannten ”common sense”-Fotos erfolge, Kritikfähigkeit dagegen meist nur bei den ohnehin strittigen Themen entwickelt würde.

Die Diskussion erstreckte sich auch auf den Umgang der Archive mit Fotosammlungen, den Problemen der wissenschaftlichen NutzerInnen und der speziellen Problematik der deutsch-polnischen Beziehungen. In diesem Zusammenhang wurde auf die Entschließung der Teilnehmer der Konferenz ”Das Photo als historische Quelle” des Hamburger Instituts für Sozialforschung im Juni 1999 Bezug genommen, die Empfehlungen an Archive und wissenschaftlichen NutzerInnen zum Umgang mit historisch relevanten Fotos aussprach. Martina Werth-Mühl vom Bundesarchiv Koblenz sagte, die Ziele dieser Entschließung seien so hoch gewesen, dass man sich nie bemüht hätte, sie wirklich in Angriff zu nehmen. Zum Beispiel sei die Forderung nach der Errichtung eines zentralen Nachweissystems, das Informationen über Bildbestände in Archiven, Museen und anderen Verwahrstellen ausweist, unrealistisch. In Norwegen gibt es eine zentrale Erfassungsstelle für historische Fotos, der Bildbestand ist wegen der geringen Einwohnerzahl des Landes aber auch entsprechend kleiner. Allein das Bundesarchiv besitzt ca. acht Millionen Fotos, bei welchen eine Einzelbilderfassung nicht zu leisten sei. Kleinere Museen, Archive oder Dokumentationsstellen haben historische Fotografien zum Teil in einer Art und Weise erschlossen, die den damals ausgesprochenen Empfehlungen näher kommt.

Hinsichtlich der wissenschaftlichen Nutzer von Bildquellen stellten die Tagungsteilnehmer fest, dass Historiker trotz vorhandener Methoden zur äußeren und inneren Kritik fotografischer Quellen vielfach weder das Interesse aufbringen noch die Fähigkeit besitzen, mit Bildern fachgerecht umzugehen. Audiovisuelles Quellengut spielt im Geschichtsstudium so gut wie keine Rolle. Nur in der Lehrerausbildung, so waren sich viele einig, seien in dieser Hinsicht erste Schritte gewagt worden, da im Schulbereich häufiger visuelle Medien genutzt werden als in den Universitäten. Eine Teilnehmerin plädierte dafür, die Kenntnisse und Erfahrungen von Museologen stärker zu berücksichtigen, da sie in ihrer Ausbildung die Möglichkeit zur Spezialisierung auf Fotoarchivierung erhalten.

Die deutsch-polnischen Kontakte zwischen Historikern und die gegenseitige Nutzung von Archiven ist seit 1989 stark angestiegen. In Polen gibt es keine tabuisierten Bestände mehr, auch wenn bürokratische Schwierigkeiten bei der Nutzung der Archive auftreten können. Die Frage, wie deutsche und polnische Historiker mit ihrem jeweils spezifischen Wissen bei der Dokumentation und Interpretation von historisch relevanten Fotos ergänzend zusammenarbeiten können, wurde nicht diskutiert. Doch deutete sich auf der Tagung die Entstehung neuer deutsch-polnischer Kooperationen im Hinblick auf Publikationsprojekte an. Auch der Austausch unter den Tagungsteilnehmern über technische Möglichkeiten zur Erfassung von Fotobeständen in Datenbanken erwies sich als sehr fruchtbar. So bot die Konferenz neben den inhaltlichen Informationen zu bereits bearbeiteten fotografischen Überlieferungen und der Wiederholung von schon oft beklagten Unzulänglichkeiten im Umgang mit Fotos gerade durch das Gespräch zwischen HistorikerInnen und ArchivarInnen neue Einsichten in die jeweiligen Probleme und realitätstüchtigere Vorstellungen von den jeweiligen Möglichkeiten. Für die Zukunft ist auf die Bearbeitung von weiteren Fotobeständen zu hoffen. Auch der Bedarf an einer Bibliographie zum Thema wurde deutlich.

Hinweise für Archivare und wissenschaftliche Nutzer historischer Fotografien

Entschließung vom 25. Juni 1999

der Teilnehmer der Konferenz “Das Foto als historische Quelle” des Hamburger Instituts für Sozialforschung vom 23. bis 25. Juni 1999 (Der ungekürzte Text ist abgedruckt in: Der Archivar, 52. Jg., Heft 4 (1999), S. 326f. und in: Fotogeschichte, 19. Jg., Heft 74 (1999), S. 74f.)

Ausgewählte Aussagen:

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz stimmen darin überein, “dass historische Fotoaufnahmen in Archiven, Museen und anderen Verwahrstellen vielfach noch immer nicht angemessen betreut und von der wissenschaftlichen Forschung nur unzureichend beachtet werden”. Aufgrund dessen werden folgende Empfehlungen an die Archivarinnen und Archivare sowie Nutzerinnen und Nutzer ausgesprochen:

Bei historischen Fotoaufnahmen sollten dokumentiert werden

  • die Herkunft,
  • der Entstehungszusammenhang,
  • der Fotograf,
  • die bisherige Überlieferungsgeschichte,
  • der heutige Standort.

Von den Archiven sollte die früheste überlieferte Fassung eines Bildes, möglichst das erste in der Kamera belichtete Negativ aufbewahrt werden. Von den wissenschaftlichen Nutzern sollte auf die früheste Überlieferungsform eines Bildes zurückgegriffen werden.

Bei der Veröffentlichung einer historischen Fotoaufnahme sollte auf die früheste überlieferte Fassung verwiesen und zu folgenden Punkten Aussagen gemacht werden:

  • zum Fotograf,
  • zur Verwahrstelle und deren Signatur,
  • zum Ort der Aufnahme,
  • zum Zeitpunkt der Aufnahme und
  • zum Entstehungszusammenhang der Aufnahme.

Diese Aussagen sollten gemacht werden, soweit die entsprechenden Informationen verfügbar sind oder mit vertretbarem Aufwand ermittelt werden können.

Archive und andere aus öffentlichen Mitteln geförderte Verwahrstellen sichern historische Aufnahmen als Kulturgut. Diese Sicherungsaufgabe darf nicht durch Kommerzialisierung gefährdet werden.

“Für historische Aufnahmen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sollte ein geeignetes Nachweissystem als Modell aufgebaut werden, das Informationen über entsprechende Bildbestände in europäischen Archiven, Museen und anderen Verwahrstellen ausweist.”

Literaturhinweise (Auswahl deutsch- und polnischsprachiger Veröffentlichungen)

Allgemeine Literatur

  • Omer Bartov, Cornelia Brink, Gerhard Hirschfeld, Friedrich P. Kahlenberg, Manfred Messerschmidt, Reinhard Rürup, Christian Streit, Hans-Ulrich Thamer, Bericht der Kommission zur Überprüfung der Ausstellung “Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944″. Hamburg 2000 PDF-Datei (Acrobat Reader erforderlich)
  • Wolf Buchmann, “Woher kommt das Photo?” Zur Authentizitätsprüfung und Interpretation von historischen Fotoaufnahmen, in: Der Archivar, Heft 4, 1999, S. 296-306.
  • Diethart Kerbs, Methoden und Probleme der Bildquellenforschung. In: Revolution und Fotografie 1918/19. Ausstellungskatalog. Berlin 1989. S. 241-262.
  • Sybil Milton, Argument oder Illustration. Die Bedeutung von Fotodokumenten als Quelle. In: Fotogeschichte, Heft 28, 1988, S. 60-90.
  • Michael Sauer, Fotografie als historische Quelle. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht Heft 10, Oktober 2002, S. 570-593.
  • Miriam Yegane Arani, “Und an den Fotos entzündete sich die Kritik”. Die “Wehrmachtsausstellung”, deren Kritiker und die Neukonzeption. Ein Beitrag aus fotohistorisch-quellenkritischer Sicht. In: Fotogeschichte, Heft 85/86, 2002, S. 97-124 PDF-Datei (Acrobat Reader erforderlich)

Pressefotografie:

  • Diethart Kerbs, Walter Uka, Brigitte Walz-Richter (Hrsg.), Die Gleichschaltung der Bilder. Zur Geschichte der Pressefotografie 1930-36. Berlin 1983
  • Martin Loiperdinger, Rudolf Herz, Ulrich Pohlmann (Hrsg.), Führerbilder. Hitler, Mussolini, Roosevelt, Stalin in Fotografie und Film. München 1995.
  • Ahlrich Meyer (Hrsg.), Der Blick des Besatzers. Propagandaphotographie der Wehrmacht aus Marseille 1942-1944. Bremen 1999.
  • Winfried Ranke, Fotografische Berichterstattung im Zweiten Weltkrieg. Wann wurde daraus Propaganda? In: Fotogeschichte, Heft 43, S. 61-75.

Private Fotografie:

  • Diethart Kerbs, Walter Uka, Brigitte Walz-Richter (Hrsg.), Die Gleichschaltung der Bilder. Zur Geschichte der Pressefotografie 1930-36. Berlin 1983
  • Martin Loiperdinger, Rudolf Herz, Ulrich Pohlmann (Hrsg.), Führerbilder. Hitler, Mussolini, Roosevelt, Stalin in Fotografie und Film. München 1995.
  • Ahlrich Meyer (Hrsg.), Der Blick des Besatzers. Propagandaphotographie der Wehrmacht aus Marseille 1942-1944. Bremen 1999.
  • Winfried Ranke, Fotografische Berichterstattung im Zweiten Weltkrieg. Wann wurde daraus Propaganda? In: Fotogeschichte, Heft 43, S. 61-75.

Publizierte Fotografien aus dem 1939-1945 deutsch besetzten Polen:

  • Bernd Boll, Das Adlerauge des Soldaten. Zur Fotopraxis deutscher Amateure im Zweiten Weltkrieg, In: Fotogeschichte, Heft 85/86; 2002, S.75-87.
  • Peter Jahn, Ulrike Schmiegelt (Hrsg.), Foto-Feldpost. Geknipste Kriegserlebnisse 1939-1945. Ausstellungskatalog. Berlin 2000.
  • Reinhard Rürup, Foto-Feldpost. Geknipste Kriegserlebnisse 1939-1945. Eröffnungsrede zur Ausstellungseröffnung im Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst vom 30. März 2000. In: WerkstattGeschichte, Heft 26, 2000. S. 71-78.
  • Timm Starl, Knipser. Die Bildgeschichte der privaten Fotografie in Deutschland und Österreich von 1880 bis 1980. Ausstellungskatalog. München 1995.
  • Publizierte Fotografien aus dem 1939-1945 deutsch besetzten Polen:
  • Florian Freund, Bertrand Perz, Karl Stuhlpfarrer, Farbdias aus dem Ghetto Lodz. In: Zeitgeschichte 18 (1990/91), S. 271-303
  • Joe J. Heydecker, Das Warschauer Getto. Foto-Dokumente eines deutschen Soldaten aus dem Jahr 1941. München 1983.
  • Władysław Jewsiewicki, Powstanie warszawskie 1944 okiem polskiej kamery. Warszawa 1989.
  • Jüdisches Historisches Institut Warschau (Hrsg.), Faschismus - Getto - Massenmord. Dokumentation über Ausrottung und Widerstand der Juden in Polen während des zweiten Weltkriegs. Berlin (DDR) 1960 [2. Auflage: 1961]
  • Friedrich Katzmann, Rozwiązanie kwestii żydowskiej w dystrykcie Galicja - Lösung der Judenfrage im Distrikt Galizien. Warszawa: Instytut Pamięci Narodowej 2001.
  • Ulrich Keller (Hrsg.), Fotografien aus dem Warschauer Getto. Berlin 1987.
  • Stanisław Kopf, Związek Polskich Artystów Fotografików (Hrsg.), Z kamerą w powstańczej Warszawie - 1944. Warszawa 1994.
  • 19.9.41. Dzień w getcie warszawskim. Instytut Pamięci Narodowej i Yad Vashem 1992.
  • “Unser einziger Weg ist Arbeit”. Das Getto in Lodz 1940-1944. Redaktion Hanno Loewy und Gerhard Schoenberner. Ausstellungskatalog. Wien 1990.
  • Warszawa w fotografii dr. Hansa-Joachima Gerke - Warschau 1940-1941 in: Fotos von Dr. Hans-Joachim Gerke. Wybór i opracowanie zdjęc - Auswahl und Bearbeitung der Fotos: Danuta Jackiewicz, Eugeniusz Cezary Król. Warszawa 1996.
  • Andrzej Wirth (Hrsg.), “Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk in Warschau mehr” [sog. Stroop-Bericht]. Neuwied 1960.
  • Ute Wrocklage, Fotografie und Holocaust. Annotierte Bibliographie. Frankfurt am Main 1998.
  • Miriam Yegane Arani, Aus den Augen, aus dem Sinn? Publizierte Fotografien aus dem besetztem Warschau 1939 bis 1945 Teil 1, Fotogeschichte, H. 65, S. 33-58; Teil 2, Fotogeschichte, H. 66, S. 33-50.
  • Wacław Żdżarski, Historia fotografii warszawskiej. Warszawa 1974.
  • Żydowski Instytut Historyczny i Muzeum Więzienia Pawiak (Hrsg.), Getto warszawskie 1940-1942. Zdjęcia wykonane przez ludność żydowską. Warszawa 1996.