DEUTSCH-POLNISCHE AKADEMISCHE GESELLSCHAFT E.V.

Vorträge


Dr. Bernd Boll (Freiburg): Zur Überlieferung von deutschen Amateurfotografien aus dem Zweiten Weltkrieg
 
Der einleitende Vortrag von Bernd Boll widmete sich den Problemen der Überlieferung von deutschen Amateurfotografien aus dem Zweiten Weltkrieg. Da das Fotografieren in den 1930er Jahren eine beliebte Freizeitbeschäftigung vor allem junger Männer war, schätzt man, dass der Anteil der kamerabesitzenden Wehrmachtssoldaten über 10 % lag. Unter ihnen entwickelte sich eine Jagd nach Fotos als Zeitdokument und Trophäe und informelle Strukturen zur Verbreitung von Fotos innerhalb der Truppe. Ein Teil der Fotoaufnahmen, welche die Soldaten gewöhnlich in der Brieftasche bei trugen, gelangte nach ihrer Gefangennahme oder ihrem Tod in die Hände der Alliierten und wurden nach Kriegsende als Beweismaterial bei der Strafverfolgung benutzt. Private Fotos der zurückgekehrten Wehrmachtssoldaten wurden nach dem Krieg üblicherweise zu Hause aufbewahrt; Inzwischen dürften sie zu einem großen Teil in den Müll geworfen worden, in Auktionshäuser, auf die Flohmärkte oder in private Sammlungen gelangt sein. Nur in Einzelfällen übergaben Erben die fotografischen Hinterlassenschaften an Archive.
Innerhalb der Archive werden die privaten Fotografien nicht nach dem Provenienzprinzip inventarisiert, sondern zum Teil nach Provenienz, nach Sachthemen, Personen, geographischen Gebieten oder chronologischen Ordnungsprinzipien aufbewahrt. Aufgrund des chaotischen Überlieferungskontinuums sind die Entstehungs- und Überlieferungsgeschichten der in den öffentlichen Einrichtungen verwahrten privaten Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg oftmals nicht leicht zu bestimmen. Mehrfachabzüge, Reproduktionen (darunter seitenverkehrte Abzüge und verkleinerte Bildausschnitte), nachträgliche Beschriftungen und falsche Zuordnungen erschweren zusätzlich eine korrekte Einordnung durch Archivare und wissenschaftliche Nutzer.
 
Veröffentlichung: Bernd Boll, Das Adlerauge des Soldaten. Zur Fotopraxis deutscher Amateure im Zweiten Weltkrieg, Fotogeschichte, Heft 85/86, 2002, S. 75-87


Dr. Bernd Boll (Freiburg)
Dr. Elisabeth Klamper (Wien)
Dr. Piotr Swiatek (Köln)
Klaus Hesse (Berlin)
Miriam Yegane Arani (Berlin)
Dr. Danuta Jackiewicz (Warschau)

Die Vorträge Anschließende Diskussionen Literaturhinweise Hinweise für Archivare und wissenschaftliche Nutzer historischer Fotografien

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